„Am allerwichtigsten ist es dabei, dass man sich mit dem Thema NS-Zeit auseinander setzt – und wie wir ein erneutes Auftreten dieses Szenarios verhindern können, also mit Vergangenheit UND Zukunft. Denn nur eine Gesellschaft, die klar Stellung zu einem solchen Thema bezieht, wird eine Chance haben, Hass, Hetze und Antisemitismus Grenzen aufzuzeigen.“ Jonas Rönna, Klasse 10c3

Im Schuljahr 2019/20 gab es für die damaligen Neuntklässler des Sophie-Scholl-Gymnasiums das Angebot, am Wahlpflichkurs Geschichte mit dem Thema „Itzehoe im Nationalsozialismus“ unter Leitung der Geschichtslehrerin Katja Profé teilzunehmen.
Die zwanzig Schülerinnen und Schüler bekamen während eines vom ehemaligen Geschichtslehrer Ingo Laffrentz geführten Stadtrundganges zum Kursthema einen ersten Eindruck von ihrem neuen Forschungsfeld, mit dem sie sich in den nächsten Monaten beschäftigen sollten.
Zur Motivation trug gleichzeitig die Teilnahme an einem von der Bürgerstiftung Schleswig-Holstein ausgeschriebenen Geschichtswettbewerb „Eure Erinnerung“ bei. Hier lockten Klassen- und Einzelpreise.
Die Schüler*innen beschäftigten sich in ihren Projekten mit dem Schicksal der Juden in Itzehoe, dem städtischen Alltagsleben während des Nationalsozialismus, dem GeSchichtenberg (im Volksmund noch als Galgenberg bzw. Germanengrab bekannt) sowie mit anderen Stätten der Erinnerung und Mahnung in Itzehoe. So entstanden beispielsweise ein selbst gedrehter Film zum Nationalsozialismus in Itzehoe, fiktive Tagebucheinträge aus der Sicht einer Jüdin, Plastiken, die die Geschichte des GeSchichtenbergs veranschaulichen sowie ein Kommentar zur Erinnerungskultur.
Mit diesem Kommentar gewann der damalige Neuntklässler Jonas Rönna den mit 250 Euro dotierten Einzelpreis der Bürgerstiftung Schleswig-Holstein. Die Jury zeigte sich beeindruckt von seiner Arbeit, in der es um den Umgang der Nachkriegsgenerationen, also auch uns, mit dem Erbe des Nationalsozialismus geht. Hierzu recherchierte Jonas gründlich zu den während des Nationalsozialismus missbrauchten Bronzezeitgräbern am Langen Peter, der damit verbundenen Umdeutung zum „Germanengrab“ sowie der heutigen Nutzung der nun als GeSchichtenberg bekannten historischen Stätte. In seinem Kommentar gelangt er zu der wichtigen Erkenntnis: „Am allerwichtigsten ist es dabei, dass man sich mit dem Thema NS-Zeit auseinander setzt – und wie wir ein erneutes Auftreten dieses Szenarios verhindern können, also mit Vergangenheit und Zukunft. Denn nur eine Gesellschaft, die klar Stellung zu einem solchen Thema bezieht, wird eine Chance haben, Hass, Hetze und Antisemitismus Grenzen aufzuzeigen.“
Eigentlich sollte es am 06. November im sogenannten Nordkolleg in Rendsburg eine Ehrung aller Preisträger*innen geben, zu der u. a. die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien geladen war. Coronabedingt musste diese leider abgesagt werden. Im kleineren Rahmen – in einer Videokonferenz – sollen die Leistungen alle Preisträger*innen dennoch eine Würdigung erfahren.

(Pr)