Fair streiten, sachkundig debattieren – so lautete das Motto des Regionalwettbewerbs „Jugend debattiert“.

Im Jahr der Pandemie standen sich die Teilnehmer erstmals nicht direkt gegenüber. Das neue Format: „Die Online-Debatte im Rahmen von Videokonferenzen“, sagte Juliane Schaar, Regionalkoordinatorin Westküste.
Aufgrund der erschwerten Bedingungen stellten sich von zwölf im Wettbewerb engagierten Schulen nur zwei dem Wettbewerb: die Kaiser-Karl-Schule (KKS) und das Sophie-Scholl-Gymnasium (SSG) aus Itzehoe. Auf Schulebene gab es vorher Qualifikationen, bis in den Altersgruppen 1 (8. und 9. Klasse) und 2 (10. bis 12. Klasse) je zwei Teilnehmer feststanden. Von der KKS waren es Malena Westphalen, Bjarne Bender, Anna Goerlach und Erik Wiggers, vom SSG waren Maja Schnoor, Marieke Neuß, Till Tiedemann, und Lukas Rieck beim Regionalentscheid dabei, den ihre Schule wieder ausrichtete.
Die größte Herausforderung: Die Schüler können sich nicht selbst aussuchen, für welche Seite sie sprechen, sondern Pro und Contra werden vorher ausgelost. Die Achtklässler Marieke Neuß und Maja Schnoor hatten sich im Unterricht auf beides vorbereitet – in der Debatte sammelten sie nicht nur erste, sondern auch „äußerst interessante“ Erfahrungen. Ihr Thema: „Sollen Mädchen und Jungen in naturwissenschaftlichen Fächern getrennt voneinander unterrichtet werden?“ Ihre Antwort war ein klares Nein: „Non-binäre Personen könnten sich diskriminiert und ausgeschlossen fühlen“, sagte die 13-jährige Maja.
In der Altersgruppe 2 ging es um die Fragen, ob in der Schule für die Teilnahme an Demonstrationen während des Unterrichts geworben werden darf, oder ob Krankenhäuser ohne die Absicht, Gewinn zu erzielen, betrieben werden sollen. Mit Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft überzeugten die Achtklässler Malena Westphalen (KKS) und Marieke Neuß vom SSG die Jury und qualifizierten sich für den im Mai im Kieler Landtag stattfindenden Landeswettbewerb. Aus der Oberstufe schafften dies Anna Goerlach und Erik Wiggers (beide KKS).
Gerade in Zeiten der Pandemie brauche die Demokratie Menschen, die kritische Fragen stellen, hob Koordinatorin Schaar hervor: „Menschen, die aufstehen, ihre Meinung sagen und sich mit den Meinungen anderer auseinandersetzen sowie zuhören und reden können.“ Kurz gesagt: Menschen, die fair und sachlich debattieren. Es sei wichtig, dass schon in der Schule gelernt werde, wie und wozu man debattiert, wie umfassend recherchiert werde und tragfähige Argumente gefunden würden.
„Jugend debattiert“ sei für die Teilnehmer ein hervorragendes Programm, betonte Schaar. Sie erlebten die demokratische Debatte und gewännen so ein tieferes Verständnis einer fairen öffentlichen Auseinandersetzung. Und sie profitieren persönlich: „Es ist schön zu sehen, wie Schüler durch Jugend debattiert Selbstbewusstsein gewinnen – sie können sich besser ausdrücken und lernen frei vor anderen zu sprechen.“

(Kristina Mehlert, Norddeutsche Rundschau vom 30. März 2021)