Itzehoer Sophie-Scholl-Gymnasium überzeugt durch ein einzigartiges Engagement

Da haben sich wohl genau die richtigen zusammengefunden: Am Sophie-Scholl-Gymnasium gibt es eine Initiative, die Schule klimaneutral aufzustellen. Der Kreistag als Schulträger unterstützt das Vorhaben und hat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.
Nach den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des Sophie-Scholl Gymnasiums (SSG) wurde in deren Rahmen mit dem Einheitsbuddeln auch der Grundstock für ein neues Waldgebiet gelegt. „Meinen Sohn beschäftigt die CO2-Problematik sehr“, blickt Christian Schwenck zurück. Der Sohn hat das SSG verlassen, aber der Vater engagiert sich weiterhin an der Schule, ist stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins. In ihm reifte eine Idee: „Wir sollten die Schule klimaneutral machen.“

Schüler schon lange aktiv

Bei Lehrer Martin Ludwigh rannte er damit offene Türen ein. Denn im Rahmen des Offenen Ganztags bietet er „Sophie’s Energy Team“ an. Eine Umweltschutz-Arbeitsgemeinschaft, die schon länger in die gleiche Richtung arbeitet. Gemeinsam machte man sich auf den Weg. „Die jungen Leute sind die Konsumenten von morgen. Wenn wir die nicht mitnehmen, wird es nicht klappen“, ist Ludwigh überzeugt. Der Schwung der Fridays-For-Future-Bewegung sollte mitgenommen werden. „Ich bin da mit einer gewissen Naivität rangegangen“, gesteht der Lehrer.
Das Engery-Team hat bereits eine Energie-Spar-Broschüre erstellt. Recyclingpapier wurde eingeführt und die doppelseitige Bedruckung durchgesetzt, eine Schmetterlingswiese angelegt, um Ressourcen zu schonen ein eigener Second-Hand-Markt eingeführt. Und um Energie zu sparen, wurde am „Warmer-Pulli-Tag“ die Heizung etwas herunter gefahren. „Das Stadtradeln haben wir auch mal wieder gewonnen“, sagt Ludwigh. Für Schwenck ist deshalb klar: „Klimaneutralität ist der logische nächste Schritt.“
Wie schwierig es werden würde, zeigte eine Machbarkeitsstudie zum Thema Geothermie, an die sich einige Schüler heranwagten. Der Lehmwohld ist Wasserschutzgebiet. Tiefe Bohrungen zur Nutzung von Erdwärme scheiden also vermutlich aus. Aber eine oberflächennahe Lösung sollte trotzdem funktionieren, fanden die Schüler heraus. „Am Ende war keine klare Zuständigkeit erkenbar“, bedauert Schüler Jonas Rönna.

Verwaltung eher der Bedenkenträger

Ein Bild, das sich in zahlreichen Gesprächen fortsetzte. Bei den unterschiedlichen Kreistagsfraktionen kam die Idee immer durchweg gut an. Schwenck: „Die Verwaltung war eher der Bedenkenträger.“ Nach seiner Kenntnis soll es in Bayern bereits eine klimaneutrale Schule geben. Mehr nicht. „Wir wollen als Leutturmprojekt an den Start gehen“, gibt er selbstbewusst vor. Geld gebe es genug. „Die Töpfe sind voll“, ist Schwenck überzeugt und Ludwigh ergänzt, dass es angesichts der jüngsten Klima-Urteile noch mehr Förderprojekte geben werde.
An der Schule geht man davon aus, dass die Installation einer Erdwärme- und einer Solar-Anlage etwa eine Million Euro kosten würde. Soll auch die Sporthalle versorgt werden, kämen nochmals 230 000 Euro dazu. Für die Geothermie übernehme der Bund 45 Prozent der Kosten. Lehrer Ludwigh ist überzeugt: „Das amortisiert sich in fünf Jahren, sicher in sieben Jahren.“ 2019 hatte die Schule einen Wärmebedarf von knapp 1200 Megawattstunden – 265 Tonnen CO2-Ausstoß seien die Folge. 140 000 Euro gebe die Schule jährlich für Strom aus. „Da sind wir schon sehr sauber, wir beziehen über die Stadtwerke norwegischen Ökostrom“, macht Ludwigh deutlich.
Um möglichst schnell voran zu kommen, hatte Schwenck bereits überlegt, seitens der Schule selber eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Aus Kostengründen wurde daraus nichts. Das übernimmt jetzt der Kreis. Im Bauausschuss wurde sogar einstimmig auf Antrag von FDP und Grünen beschlossen, den Untersuchungsauftrag noch deutlich auszuweiten.
Es soll nicht nur Wärmepumpentechnik geprüft werden, sondern auch mit grünem Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen-Technik sowie andere alternative, regenerative Technik, die eventuell kostengünstiger Wärme erzeugt. Das Geld soll über den Nachtragshaushalt bereit gestellt werden. Der Kreistag übernahm jetzt den Beschluss einstimmig. Die Ergebnisse sollen spätestens zu den Haushaltsberatungen 2023 vorliegen.

(Andreas Olbertz, Norddeutsche Rundschau vom 21. Juni 2021)