Bürgerstiftung ehrt SSG-Schüler Jonas Rönna für seine Arbeit über die Nazivergangenheit der Grabanlage

Ich war schockiert darüber, wie wenig die Menschen über den heutigen Geschichtenberg informiert sind“, sagt Jonas Rönna, Schüler des Sophie-Scholl-Gymnasiums (SSG). Im Rahmen des Wahlpflichtkurses „Itzehoe während des Nationalsozialismus“ unter der Leitung von Katja Profé arbeiteten Schüler der 9. Klasse im vergangenen Jahr an unterschiedlichen Projekten.
Die daraus hervorgegangenen Ergebnisse wurden beim Geschichtswettbewerb der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten eingereicht. Der 16-jährige Zehntklässler ging dabei mit seiner Einzelarbeit und mit seinem Kommentar zum Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit als Gewinner in seiner Altersklasse hervor – und hat damit insbesondere seiner Lehrerin imponiert.
Katja Profé zeigte sie sich beeindruckt, wie selbstständig der Schüler an das Projekt herangegangen sei. „Aufgabe war es, bestimmte Sachen zu Denkmälern aus der NS-Zeit auszuarbeiten“, sagt der Schüler, der bei seiner Recherche feststellte, dass kaum jemand Interesse am Geschichtenberg habe. „Meine Umfragen in der Itzehoer Fußgängerzone sowie in je einer 10. Klasse eines Gymnasiums und einer Gemeinschaftsschule haben ergeben, dass zwar 31 Prozent der Passanten und 70 Prozent der Schüler behaupteten, diesen Ort zu kennen, allerdings machten nur zehn beziehungsweise 49 Prozent genauere Angaben. Den damaligen Namen ,Germanengrab’ kannten noch viel weniger.“
„Wenn noch nicht einmal jeder zehnte Schüler sagen kann, dass es sich um einen Ort mit nationalsozialistischem Hintergrund handelt, dann besteht absoluter Handlungsbedarf“, ist Rönna überzeugt. Anscheinend werde das Denkmal größtenteils als ein Selbstverständnis angesehen – viele gingen dort vorbei und machten sich keine Gedanken über die Geschichte dieses Ortes.
Deswegen stellt sich für Rönna die Frage, ob man diesen Ort nicht insbesondere für junge Menschen interessanter gestalten sollte. Vorstellbar sei das unter anderem mit modernen Ausstellungen oder auch Aufführungen über die NS-Zeit. „Wenn dieser Ort nicht zukunftsorientierter gestaltet wird, besteht die Gefahr, dass sich keiner mehr für ihn interessiert und er in Vergessenheit gerät“, beklagt der Jugendliche.
Diese Idee haben Schüler aus dem Kurs „Darstellendes Spiel“ des SSG aufgenommen. Auch sie fragten sich, wie die Nationalsozialisten es in den 1930er-Jahren geschafft haben, die Jugend so in ihren Bann zu ziehen, dass klares Denken und Prinzipien der Menschlichkeit außer Kraft gesetzt wurden. Und wie schaffen es heute rechtsextreme Gruppen, in den sozialen Medien auf manipulative Weise junge Menschen zu faszinieren und zu instrumentalisieren?
Die Schüler bereiteten ein Drehbuch vor. Schnell sei allerdings klar geworden, dass zwei Filme parallel gedreht werden sollten, datiert in der Nazizeit und heute. Das Fach Darstellendes Spiel verlangt fächerübergreifendes Arbeiten und ist weit mehr als nur Schauspielerei – Geschichte, Sprache, Ästhetik und Technik treffen darin aufeinander.
In diesem Jahr widmete sich der Kurs diesen Vorarbeiten sehr intensiv, weil die Pandemie einen Strich durch die eigentlich geplanten Filmaufnahmen machte. Eventuell können die Dreharbeiten später noch realisiert werden.

(Kristina Mehlert, Norddeutsche Rundschau vom 5. Mai 2021)