Itzehoer Gymnasium erinnert an 100. Geburtstag der Widerständlerin

„Sophie Scholl spielt an unserer Schule seit jeher eine wichtige Rolle“,sagt Schulleiterin Magdalena Diodat vom Sophie-Scholl-Gymnasiums (SSG). Anlässlich des 100. Geburtstags der Widerstandskämpferin am 9. Mai, die als Mitglied der Gruppe Weiße Rose Flugblätter gegen das NS-Regime verteilte und die vor 78 Jahren zum Tode verurteilt wurde, waren eigentlich verschiedene große Aktionen geplant. „Unter anderem sollte es ein Umzug durch die Fußgängerzone geben, es sollten weiße Rosen verteilt werden und, und, und“, sagt Diodati. Die Direktorin bedauert es sehr, dass all das auf Grund der Pandemie ins Wasser fallen müsse – einiges aber sei dennoch geplant.

Sensibilisierung für Werte
So beschäftigen sich Schüler aus den höheren Jahrgängen derzeit mit der Frage, ob es überhaupt noch zeitgemäß sei, dass die Schule den Namen Sophie-Scholl-Gymnasium trage oder wie der Gegenwartsbezug hergestellt werden könne. „Als ich auf diese Schule kam, hat der Name für mich erstmal keine Rolle gespielt“, sagt Jonas Rönna (16). Erst nach und nach habe er sich mit der Person Sophie Scholl auseinandergesetzt. „Rückblickend hat dann bei mir eine Art Sensibilisierungsprozess für die Werte, die sie vertreten hat, eingesetzt – und das SSG hat dazu einen erheblichen Beitrag geleistet“, sagt der Zehntklässler.

Name mit Verpflichtung
Ein besonders prägender Moment sei für ihn ein Interview mit dem Neffen von Sophie Scholl, Thomas Hartnagel, gewesen. Er mahnte, dass der Name Sophie-Scholl-Gymnasium nicht nur als Etikett verwendet werden dürfe, sondern auch mit Leben gefüllt werden solle. „Eine Schule, die diesen Namen trägt, hat eben auch eine Verpflichtung“, sagt Rönna und betont, dass seine Schule diese sehr ernst nehme. „Immer wieder rufen wir uns die eigene Verantwortung ins Bewusstsein und setzten uns aktiv für die Werte Sophie Scholls ein“, sagt der SSG-Schüler der sich auch aktiv in verschiedene Projekte mit einbringe.Besonders erschreckend sei, dass Corona-Leugner versuchen, mit Sophie Scholl auf sich aufmerksam zu machen.

Ließ Sophie Scholl auf Plakaten in die Gegenwart holen: Kunstlehrer Christian Jansen.

Um einen Bezug zur Gegenwart herzustellen, ließen sich Schulsozialabeiterin Nadine Burmeister und Kunstlehrer Christian Jansen etwas einfallen. „Wir haben Sophie auf Plakaten ins 21. Jahrhundert geholt“, sagt Jansen, der damit den Schülern in diesen Zeiten Mut zusprechen möchte. Alle Fachschaften beschäftigen sich noch das ganze Jahr über mit dem Jahrestag von Sophie Scholl. „Einige haben die Rede von Johannes Rau aus Anlass des 60. Jahrestags der Hinrichtung der Mitglieder der Weißen Rose analysiert, andere versuchen über die sozialen Medien aktiv zu werden oder erfassen derzeit imaginäre Briefe zwischen Anne Frank und Sophie Scholl. „Wir planen das Thema in unserem diesjährigen Weihnachtskonzert umzusetzen“, sagt Sandra Buschmann als Leiterin des SSG-Orchesters. Denn: Sophie Scholl liebte die Musik und insbesondere das alte Volkslied „Die Gedanken sind frei“, dessen Melodie sie ihrem inhaftierten Vater auf der Blockflöte vor der Gefängnismauer vorspielte.

(Kristina Mehlert, Norddeutsche Rundschau vom 15. Mai 2021)