Schulrat Weisner sieht gute Vorbereitung / SSG und Gemeinschaftsschule Kellinghusen bewerten Informationspolitik unterschiedlich

Kohorten – ein Wort, das vielen bisher nur von den Römern in Asterix und Obelix bekannt war, ist aktuell in aller Munde. Es ist wohl der Schlüsselbegriff vor dem Schulstart am Montag. Im Kreis Steinburg sehen die Verantwortlichen trotz der Umstände eine gute Vorbereitung und betonen die Wichtigkeit von Präsenzunterricht.

Die meisten Nachfragen, die bei Schulrat Arne Weisner eingingen, bezogen sich neben dem Sportunterricht tatsächlich auf die Kohorten. Dies ist die Bezeichnung für die Gruppen, in die die Schülerschaft eingeteilt werden soll. Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule soll der Kontakt zu anderen Kohorten vermieden werden. Das Ziel dahinter ist klar: Tritt ein positiver Test bei einem Schüler auf, so müsste statt einer Schließung der kompletten Schule nur „seine“ Kohorte in Quarantäne.

Die Ungewissheit schlug sich in einigen Fragen nieder: Wie können die Kohorten aussehen? Wie groß sollen sie sein? Weisners Antwort: „Meine Empfehlung sind möglichst kleine Kohorten – je nach Möglichkeiten der Schulen. Wichtig ist die Nachvollziehbarkeit möglicher Infektionsketten.“ Die Einrichtungen müssten die Einteilung den räumlichen und personellen Gegebenheiten anpassen.

Grundsätzlich gibt Weisner keine anderen Empfehlungen als das Landes-Bildungsministerium aus. Das betrifft auch das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Bildungsministerin Karin Prien bekräftigte Mitte der Woche ihre „dringende Empfehlung“, in den ersten beiden Schulwochen eine Maske zu tragen – auch in den Klassenräumen sei es sinnvoll. Eine Pflicht gibt es jedoch nicht.

Die Rahmenbedingungen seien den Schulen vor den Ferien bekannt gewesen, sagt Schulrat Weisner. Jetzt seien nur noch Details zu klären gewesen. Sein Fazit: „Die Steinburger Schulen sind gut vorbereitet und haben die Vorgaben verlässlich umgesetzt.“

SSG: Lösungen für Lehrer aus Risikogruppe So sieht es auch Magdalena Diodati, Leiterin des Sophie-Scholl-Gymnasiums: „Die Umstellung im Frühjahr war ganz neu. Daraus konnten wir viel lernen.“ Nun freue man sich auf den Präsenzunterricht. Die Kohorten ergeben sich in der Regel aus den Klassen. Eingänge und Pausenzeiten sind unterschiedlich. In Jahrgängen mit gemischten Kursen gibt es auch größere Kohorten.

Die Maskenpflicht gilt innerhalb des Gebäudes für die ersten drei Wochen – auch im Unterricht. Maskenpausen soll es nur draußen geben. Für das Lehrerkollegium wurden zudem Visiere angeschafft – insbesondere für den Fremdsprachenunterricht. Sport findet zunächst nur draußen statt, Musikunterricht ohne Gesang und Blasinstrumente.

Für Lehrer aus der Risikogruppe wurden am SSG bereits Lösungen gefunden. Zwei gehen freiwillig in den Präsenzunterricht, werden sich mit Maske und Visier doppelt schützen. Zwei weitere werden als Tandempartner agieren und Kollegen mit Zuarbeit wie Erklärvideos oder Aufgabenentwicklung unterstützen.

GS Kellinghusen: Maskenpausen erlaubt Den Informationsfluss durch das Land empfindet Diodati als gut: „Ich fühle mich unterstützt.“ Der Leiter der Gemeinschaftsschule Kellinghusen, Gerd-Christian Thielmann, ist derweil der Ansicht: „Es kommt alles immer sehr spät.“ Dennoch habe man auch dort die nötigen Bedingungen geschaffen. Die Maskenpflicht innerhalb der Gebäude gilt für 14 Tage, jedoch nicht für die Klassen fünf und sechs. Es wird den Lehrern überlassen, in Einzelfällen auch kurze Maskenpausen zu erlauben.

Die Kohorten setzen sich grundsätzlich aus den Klassen zusammen. An der Außenstelle Ulmenhofschule werden sie entsprechend der Hausbelegung sortiert. Dabei haben die Kohorten nicht nur unterschiedliche Eingänge und Pausenzeiten, sondern fangen auch zu unterschiedlichen Zeiten an. Um das Geschehen zu entzerren, wurde in Kellinghusen „epochaler Unterricht“ in den Stundenplan integriert. „Das sind Projekte, die von zu Hause bearbeitet werden“, erklärt Thielmann, der aber festhält: „Präsenzunterricht ist enorm wichtig.“ Schulrat Weisner ergänzt: „Es ist notwendig, dass die Kinder wieder einen Schulalltag haben. Die sozialen Kontakte sind wichtig.“

(Grischa Malchow, Norddeutsche Rundschau vom 8. August 2020)