SSG-Schüler engagieren sich zum 75. Jahrestag des Mahnmals für die Opfer des Nationalsozialismus

Andreas Olbertz

Für Magdalena Diodati, Rektorin des Sophie-Scholl-Gymnasiums (SSG), gibt es da keine zwei Meinungen: „Wer, wenn nicht wir, sollte Erinnerungskultur mittragen und entwickeln. Da sind wir unserem Namen verpflichtet.“ Deshalb wird sich das SSG bei der Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus am Mittwoch, 8. September, ab 17 Uhr einbringen.
Am Rande der Malzmüllerwiesen, an der Ecke Schumacherallee/Breitenburger Straße, steht das älteste Mahnmal dieser Art Nordeuropas. Der ungarische Jude Gyula Trebitsch war verfolgt und im Konzentrationslager Wöbbelin von den Nazis inhaftiert worden. Er überlebte knapp – nur noch Haut und Knochen – halb verhungert wurde er nach Itzehoe gebracht, um wieder zu Kräften zu kommen. Trebitsch leitete in Itzehoe zwei Kinos und wurde später als Film- und Fernsehproduzent sowie als Gründer des Studio Hamburg berühmt. Nur wenige Monate nach seiner Befreiung initiierte er zusammen mit dem Steinburger Architekten Fritz Höger (Chile Haus) das Mahnmal. Am 8. September ist dessen Einweihung genau 75 Jahr her.
Die Arbeitsgemeinschaft Mahnen um Michael Legband und Rainer Lutz organisiert deshalb eine Feierstunde mit Kranzniederlegung. Staatssekretär Torsten Geerdts wird ein Grußwort der Landesregierung sprechen. Im Geschichtsprofil des elften Jahrgangs am SSG wurden Grußworte und Mahnungen erarbeitet. Schüler aus dem Kursus Darstellendes Spiel haben die Zitate auf dem Mahnmal aufgegriffen und werden sie in die Gegenwart übertragen.„Das wird spannend“, berichtet Diodati. Im vergangenen Jahr waren die Schüler des SSG lediglich als Zuschauer dabei. In diesem Jahr sind sie mit Beiträgen beteiligt, im kommenden Jahr soll der Staffelstab mit der Verantwortung für das Mahnmal an die Schule übergeben werden.
Die Innenstadtgemeinde beteiligt sich auch an der Gedenkstunde. „Selbstverständlich“, wie Pastorin Wiebke Bähnk betont: „Dieses unsägliche Geschehen darf nicht vergessen werden, es darf sich nie mehr wiederholen.“ Stellvertretend für alle christlichen Gemeinden werden die Glocken von St. Laurentii über der Stadt erklingen.
Legband freut sich, dass auch die Mitglieder des Projekt-Posaunenchors des Posaunenwerks Hamburg – Schleswig-Holstein unter der Leitung von Kerrin Otte spielen wird. „Kranzniederlegung und die Posaunenklänge sind sozusagen Zitate aus der Frühzeit des Gedenkens am Mahnmal“, so der Organisator. Ausklingen wird der Tag im wahrsten Sinne des Worts mit einem Konzert in der St. Laurentii-Kirche. Es wird Musik des 19. Jahrhunderts aus der Synagoge erklingen. Thomas Gaede spielt Viola, Dörthe Landmesser Orgel und die Ensemble der Kantorei werden singen.

(Andreas Olbertz, Norddeutsche Rundschau vom 02. September 2021)