Herzlich Willkommen am Sophie Scholl Gymnasium Itzehoe
Die Leiden des Krieges – Zeitzeugin am SSG
Die Leiden des Krieges – Zeitzeugin am SSG

„Wir waren eine glückliche Familie, bis die Nazis kamen.“ So beginnt Sara Rozenblum, geborene Kalmanovich, vor den 12. Klassen des Sophie-Scholl-Gymnasiums die Erzählung ihrer Lebensgeschichte.

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Unterstützt wird sie von Hinrich und Elke Kaasmann vom Ebenezer-Hilfsfonds Deutschland aus Hamburg, und der Bericht fällt ihr nicht leicht: „Wenn ich darüber spreche, weckt es alles in mir wieder auf.“

SSG-Leiterin Angelika Hartmann begrüßt die Zeitzeugin und ihre Begleiter: Das Gymnasium fühle sich seiner Namensgeberin sehr verpflichtet, die Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich sei selbstverständlicher Teil des Unterrichtes. Die Idee für den Vortrag von Sara Rozenblum stammt von I-en Liu, die zwei Kinder am SSG hat und das Ehepaar Kaasmann lange kennt.

Als Siebenjährige wird Sara mit fünf Geschwistern und Eltern aus ihrem Haus in Tschernowitz, Rumänien, vertrieben. Die jüdische Familie kommt in ein Lager in Schagorod. Hunger, Tod, Kälte, Gewalt und Krankheit bestimmen nun ihr Leben. Die Mutter stirbt. „Ich habe das als Kind nicht verstanden, dass meine Mutter gestorben ist“, erklärt Sara Rozenblum. Kurze Zeit darauf stirbt auch ihr Vater. Mit den Geschwistern flüchtet sie in ein anderes Lager. Hier geht der Schrecken weiter, ein Bruder stirbt.

Doch 1943 lassen die Deutschen aufgrund eines Abkommens mit den Engländern und Amerikanern 1500 Waisenkinder aus dem Lager frei. Sara ist eines von ihnen und kommt in einer Adoptivfamilie in Rumänien unter. Ihr Körper ist voller Wasser, Bauch und Beine sind stark geschwollen. Nahrung kann sie kaum bei sich behalten und wird von Alpträumen gequält. 1944 werden Kinder aus den Familien nach Israel geholt, die elfjährige Sara landet in einem Waisenhaus. Nur vier Jahre besucht sie die Schule, spricht aber trotzdem Hebräisch, Deutsch, Englisch, Rumänisch und lernt jetzt Arabisch. Mit 17 beginnt sie ihre Ausbildung zur Krankenschwester.

Viele Jahre hat Sara Rozenblum ihre wahre Identität verheimlicht. Erst 1996 hat sie die Kraft, an die Orte ihrer Vergangenheit zurückzukehren. Auch ihren eigenen Kindern vertraut sie erst spät ihre wahre Herkunft an. Heute wohnt sie in Baf Yam bei Jaffo in Israel und sagt: „Wir alle können zusammen leben, egal, woher wir kommen.“ Elke Kaasmann bestätigt: „Sara ist eine Versöhnerin.“

Die Schüler sind tief beeindruckt: „Ich fand es richtig ergreifend“, sagt Nadine Andresen (18). „Man hat gemerkt, wie ihr anfangs die Hände gezittert haben. Ich finde es mutig, dass sie uns so viel erzählt hat.“

(jat, Norddeutsche Rundschau vom 02. 07. 2014)