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Unser Schulbegleithund: Schüler lernen, Hunde zu verstehen
Unser Schulbegleithund: Schüler lernen, Hunde zu verstehen

Mit Hilfe eines speziell ausgebildeten Tieres sollen Ängste abgebaut und Missverständnisse vermieden werden.

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„Ist der süß!“ Das ist der Satz, den man am Sophie-Scholl-Gymnasium (SSG) am häufigsten hört, wenn der dreijährige Schäferhund- Mischling Dastan die fünften Klassen besucht. Das mag merkwürdig anmuten, handelt es sich doch um ein 50 Kilogramm schweres Raubtier. Aber Dastans spielerisches Wesen, seine Hängeohren und die großen, braunen Hundeaugen wirken Wunder − und so wird aus dem Raub- schnell ein Schmusetier.

Genau das ist es, worüber die Schüler in einer Doppelstunde sensibilisiert werden sollen: Weg vom Verniedlichen und hin zum bewussten Wahrnehmen ihres Verhaltens zu dem Raubtier, dem sie im Alltag immer wieder begegnen. Ziel des Unterrichts ist, die Kinder mit der „Sprache des Hundes“ vertraut zu machen, auch um Missverständnissen vorzubeugen. So geht es anstelle der üblichen biologischen Unterrichtsinhalte zu diesem Thema gezielt darum, was Menschen dem Tier durch Verhalten und Körpersprache vermitteln.

„Was sagen wir dem Hund vor dem Supermarkt, wenn wir geradlinig auf ihn zugehen, ihm dabei in die Augen sehen und dann vielleicht sogar noch auf den Kopf fassen?“, fragt Elisabeth Decker, Biologielehrerin am SSG und zugleich Besitzerin von Dastan. Der Hund nehme das nicht als freundliches Zeichen auf. Auf das Tier wirkten solche Gesten eher dominant oder aggressiv. Das sei vielen Kindern nicht klar. Deshalb werde ihnen auch beigebracht, wie sie sich verhalten sollen, wenn ein Hund ohne Leine auf sie zu gerannt kommt, so Decker.

Damit die Erfahrung mit dem Tier für alle Beteiligten möglichst einprägend und stressfrei ist, setzen sich die Kinder in einen Halbkreis. So hat der Hund den Rücken frei, die Kinder können aber auch bewusst wählen, wie nah sie dem Hund kommen möchten. Es wird über Missverständnisse im Kontakt mit Hunden gesprochen und gleichzeitig versucht, Ängste abzubauen. Alle Kinder, die wollen, können sich dem Hund zum Streicheln nähern oder ihn mit einem Leckerli füttern.
Um sicher zu gehen, dass Dastan den Anforderungen gerecht wird, also nicht ängstlich reagiert wenn 30 Paar Kinderhände ihn gleichzeitig streicheln wollen oder kreischend im Flur spielen, wurde er geprüft: Dem Zertifikat zur bestandenen Prüfung zum Schulbegleithund vom Deutschen Institut für die Hund-Mensch-Beziehung in Schneverdingen gingen eine Charakter- und eine Gehorsamsprüfung voran, die alle zwei Jahre wiederholt wird. Die Kosten dafür übernimmt der Förderverein des Gymnasiums, so dass auch weiter in den Fluren des SSG ein freudiges „Ist der süß!“ zu hören sein wird.

 

(shz, Norddeutsche Rundschau vom 11. 02. 2015)