Herzlich Willkommen am Sophie Scholl Gymnasium Itzehoe
Lehren und Lernen mit Flüchtlingen
Lehren und Lernen mit Flüchtlingen

Wie eine SSG-Schülerin jungen Syrern Deutsch beibringt.

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„Wie spät ist es?“, fragt Johanna Stürmer und zeigt auf eine Uhr, die sie an die Tafel gezeichnet hat. „Es ist halb fünf“, antwortet Fatima. Die Elf-Jährige ist vor einem halben Jahr aus Syrien nach Deutschland gekommen und lernt nun bei Johanna Stürmer und weiteren ehrenamtlich Engagierten aus dem Amt Mittelholstein Deutsch.

Jeden Dienstagnachmittag verbringt Johanna, die das Sophie-Scholl-Gymnasium in Itzehoe besucht, in der ehemaligen Grundschule in Hohenwestedt, um Flüchtlingskindern aus bei den Hausaufgaben zu helfen, Deutsch und Englisch zu lehren und alltägliche Dinge, wie die Uhrzeit, zu üben. „Ich finde es sehr wichtig, dass alle Kinder die bestmöglichen Chancen bekommen und die Sprache lernen können“, erklärt die 17-Jährige.

Schon vor einem Jahr hat sie begonnen, Flüchtlingskinder zu unterstützen. Die Schülerhilfe hatte Rabih Kateh, der einst selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist, ins Leben gerufen – inzwischen gibt es dort rund zwölf Betreuer, die fast 30 Flüchtlingskinder unterrichten. „Das hier ist keine Ergänzung zu dem, was die Kinder in der Schule machen, wir machen das hier auf einer anderen Ebene“, berichtet Johanna.

Die Flüchtlingskinder, die zur Schülerhilfe kommen, sind in mehrere Gruppen eingeteilt. „Einige sind schon ziemlich gut, mit denen lese ich und mache Hausaufgaben. Mit anderen übe ich die Fälle und das Sprechen“, erklärt Johanna.

Für sie hat ihr Engagement zwei große Vorteile. „Ich möchte nicht einfach nur zugucken, sondern auch meinen Beitrag hier in dieser Situation leisten“, erklärt sie. Die 17-Jährige möchte ihre Kenntnisse weitergeben, bekommt aber gleichzeitig auch Neues zurück. „Die Schülerhilfe hier ist für uns alle eine große Bereicherung“, findet Johanna. Außerdem macht es ihr „viel Spaß“, den Kindern zu helfen.

Für ihre Zukunft kann sich Johanna auch einen pädagogischen Beruf vorstellen. Nach dem Abitur möchte sie Kultur- und Nachhaltigkeitswissenschaften studieren „und dann vielleicht an der Uni bleiben, um zu dozieren und zu forschen“. Dass sie gut erklären kann, zeigen die Fortschritte der Flüchtlingskinder. „Mit Johanna habe ich die Fälle gelernt und dass man zu Erwachsenen hier ,Sie’ sagt“, erzählt Elias in schon fließendem Deutsch.

Johanna freut sich nicht nur darüber, dass sie „sinnvoll helfen kann“. Sie könne auch selbst noch etwas lernen: „Ich habe heute gelernt, was ‚Ach so‘ auf Arabisch heißt.“

(Carolin Johannsen / Johannsen, Norddeutsche Rundschau vom 18. 02. 2016)