Herzlich Willkommen am Sophie Scholl Gymnasium Itzehoe
DDR-Zeitzeuge am SSG
DDR-Zeitzeuge am SSG

Zwei Jahre und acht Monate Gefängnis wegen Hetze gegen den Staat. So lautete sein Urteil. Der DDR-Zeitzeuge Andreas Thieme besuchte das Sportprofil des zwölften Jahrgangs vom Sophie-Scholl-Gymnasium, um seine Erlebnisse zu schildern.



Im Zuge eines Geschichtsfachtages erzählte er von der Zeit vor, während und nach seiner Haft im Stasi-Gefängnis. Die Schüler hörten gespannt und aufmerksam zu, wie Thieme seine Schulzeit empfand, es zu der Verurteilung kam und er danach sein Leben verbrachte. Dass der Gast ehemaliger Geschichtslehrer ist, bekamen die Schüler dabei zu spüren: „Wann wurde die Mauer gebaut?“, fragte er in die Runde. Die richtige Antwort 1961 kam prompt zurück.

Nach zwei Jahren wurde der Regimegegner vorzeitig aus dem Stasi-Gefängnis entlassen und durfte in die Bundesrepublik ausreisen. In Gießen betrat er zum ersten Mal nach der Strafe westlichen Boden. Das Gefühl von Freiheit packt Thieme immer wieder: „Jedes Jahr fahre ich an dem Datum dorthin.“

Mittlerweile lebt der seit kurzem pensionierte Pädagoge in Hamburg. Ein wichtiger Bestandteil seines Lebens ist die Musik, der Erzgebirgler hat ein Faible für Rockmusik: „Ich war Sänger in einer Rockband.“ Dieses musikalische Interesse teilt Thieme mit seiner Tochter, die kurz vor seiner Haft geboren wurde und erst mit dem Beginn der Volljährigkeit in sein Leben kam. Und scheinbar auch mit den Schülern. Erik Barz sprach das Woodstock-Festival an: „Was haben Sie davon mitbekommen?“ Der Hobbymusiker freute sich: „Darüber war ich bestens informiert.“ Und es war bei weitem nicht die letzte Frage, die der 64-Jährige den Schülern und Kurslehrerin Anne-Kathrin Weitkämper zu beantworten hatte.

(lhs / harders, Norddeutsche Rundschau vom 11. 03. 2016)