Herzlich Willkommen am Sophie Scholl Gymnasium Itzehoe
SSG-Orchester mit jazzigem Flair
SSG-Orchester mit jazzigem Flair

Der Konzert-Abend des Sophie-Scholl-Gymnasiums war ein voller Erfolg, die bravouröse Leistung wurde mit stehenden Ovationen belohnt.

foto


„Aus der Neuen Welt“ sollten die sechs Programmstücke stammen, die das Orchester des Sophie-Scholl-Gymnasiums (SSG) in der sehr gut besetzten St. Laurentii-Kirche präsentierte. In der Tat, um Dvoráks berühmte Amerika-Sinfonie herum drapierte die Dirigentin Sandra Buschmann ein Programm, das in eine neue Welt entführte, eine Welt mit einer für ein Schulorchester überraschend farbigen Klangfülle. Das alles klang auf imponierende Weise inspiriert, zupackend und in jedem Takt intensiv. Kein Zufall, dass das Publikum nach den einzelnen Sätzen bei der Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ seinen Applaus-Antrieb kaum unterdrücken konnte. Deswegen gab es am Schluss spontanen Beifall im Stehen, und der war wirklich als Ovation gedacht.

Schon mit dem einleitenden Stück aus Mozarts „Hochzeit des Figaro“ kam gleich ein frischer Wind in den sakralen Raum, den dann bei Gershwins „Rhapsody in Blue“ so richtig ins pralle Leben überging. Statt einer bei Schulorchestern durchaus verzeihbaren Trägheit kam hier schon ein wenig jazziges Flair auf. Geradezu lässig intonierte der Zehntklässler Malte von Minden dann bei seinem Klaviersolo Claude Débussys „Clair de lune“, was das Orchester anschließend mit „Golliwog’s Cakewalk“ ergänzte. Die rhythmischen Akzente zeigten hier das Neue am Orchester: satter Streichersound, präsente Blech- und Holzbläser und acht Hände am Schlagwerk, was dem Ganzen eine erfrischende Schlagseite verlieh. Da wirkten dann die „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, eine Ohrwurm-Filmmusik von Karel Svoboda und offenkundig ein Lieblingsstück des Orchesters, wie eine Zugabe, in der das Orchester seine neue Klangwelt effektvoll ausspielte.

Bemerkenswert an der Leistung des Schulorchesters ist auch der Zeitpunkt des Konzerts mitten im Abitur. Zwei Schüler hatten sogar am Tag des Konzerts ihr Mathematik-Abitur geschrieben. Vier Monate war geprobt worden. Für das Dvorák-Projekt hatte Sandra Buschmann ihr Orchester mit Ex-Schülern, Kollegen und Eltern verstärkt. Ein Wochenende auf Föhr rundete die Probenphase ab, die in ein Konzert in Wyk mündete.

Nach der Pause dann die weltbekannte 9. Sinfonie des „Böhmischen Brahms“ Antonín Dvorák, in der der damalige Direktor des New Yorker „National Conservatory“ ausloten will, was denn nun die spezielle Musik der Neuen Welt sei. Nun, jenseits aller akademischen Diskussionen um die Frage, ob Dvorák die Musik der Ur-Indianer eher amerikanisch als böhmisch aufbereitet hat: Das SSG-Orchester setzte auf Vollklang und Schwung, schwelgte in den Ohrwurm-Melodien und ergötzte sich an seinem sinfonischen Sound. Fazit: eine Bravour-Leistung des Orchesters, das die Dirigentin in Anspielung auf die Neue Welt berechtigt als Dream-Team bezeichnen kann.

(Peter A. Kaminsky / Müller-Tischer, Norddeutsche Rundschau vom 02. 05. 2016)