Herzlich Willkommen am Sophie Scholl Gymnasium Itzehoe
Schüler werden Lebensretter
Schüler werden Lebensretter

Gemeinsame Aktion von Klinikum Itzehoe und Rettungsdienstkooperation: Anlässlich des Jubiläums des Klinikums Itzehoe wurden am vergangenen Mittwoch SSG-Schülerinnen und Schüler unter dem Motto „Schüler retten Leben“ fit gemacht in Erster Hilfe.


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Völlig unvermittelt bricht der Fußballspieler zusammen. Gerade war er noch am Kampf um den Ball beteiligt, nur Sekunden später liegt er bewusstlos auf dem Spielfeld. Spätestens mit diesem Video hat Marko Fiege die volle Aufmerksamkeit der Mittelstufen-Schüler im Klassenzimmer des Sophie-Scholl-Gymnasiums und demonstriert damit eindrucksvoll: Ein plötzlicher Herzstillstand kann wirklich jeden treffen. Und auch viele der Schüler wissen aus dem Familien- und Bekanntenkreis von ähnlichen Fällen zu berichten. „Was leider nicht so viele wissen: Jeder kann in solchen Situationen helfen“, erklärt der Chefanästhesist des Klinikums Itzehoe.

Um zu zeigen, wie das geht, ist Fiege mit Kollegen aus dem Krankenhaus und Mitarbeitern des Rettungsdienstes in die Schule gekommen. „Wir sind in Deutschland leider ziemlich schlecht darin, wenn es gilt, lebensrettende Sofortmaßnahmen einzuleiten. Der Ausbildungsstand in der Bevölkerung ist zu niedrig. Viele wissen nicht, wie sie helfen können oder trauen sich nicht“, sagt Fiege. Denn im Vergleich zu anderen westlichen Industrieländern wird hierzulande wesentlich seltener sofort geholfen – bevor Notarzt und Rettungsdienst eintreffen. „Bei einem Herzstillstand ist das aber oft entscheidend, denn das Gehirn wird bereits nach rund drei Minuten ohne Sauerstoff geschädigt und in dieser Zeit können praktisch nirgends die Profis mit den roten Autos vor Ort sein“, erklärt Fiege den Schülern.

„Wenn ihr in der Nähe seid, könnt ihr den Betroffenen aber mit einfachen Mitteln eine Chance auf Leben geben“, sagt Fiege und erklärt den Jugendlichen, wie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung die Sauerstoffversorgung eines Bewusstlosen gewährleistet werden kann. Anschließend heißt es: von der Theorie zur Praxis. In kleinen Gruppen lernen 230 Sophie-Scholl-Schüler an Puppen das Beatmen und die Herz-Druck-Massage. Als Ausbilder sind neben Ärzten des Klinikums und Sanitätern des Rettungsdienstes auch angehende Krankenpfleger des Klinikums mit dabei und bringen den Jugendlichen die lebensrettenden Handgriffe bei: Wie prüfe ich, ob ein Herzstillstand vorliegt? Worauf muss ich beim Notruf achten? Wie wird die Herz-Druck-Massage richtig ausgeführt? Auch Landrat Torsten Wendt, selbst seit 20 Jahren ehrenamtlicher Erste-Hilfe-Ausbilder, beteiligt sich.

Einige Schüler haben zunächst Berührungsängste. „Kann es passieren, dass ich zu doll drücke und Knochen breche?“, wird mehrfach gefragt. Christian Mandel von der Rettungsdienstkooperation beruhigt: „Das kann passieren, aber trotzdem ist es besser, jemand lebt mit einer gebrochenen Rippe, als dass er mit heilen Knochen tot ist.“ Mandel erklärt auch, wie die immer weiter verbreiteten automatischen Defibrillatoren funktionieren. „Wenn man so eine sprechende Keksdose in der Nähe hat, sollte man sie auch benutzen. Denn dann hat der Patient noch bessere Chancen und für den Helfer ist es noch leichter, alles richtig zu machen.“

Insgesamt unterrichten Fiege und seine Mitstreiter diese Woche 700 Schüler aus 25 Klassen an verschiedenen Itzehoer und Horster Schulen. Die Aktion unter dem Motto „Schüler retten Leben“ ist Teil der Feierlichkeiten zum 40. Geburtstag des Klinikums. „Für uns als Abteilung war relativ schnell klar, dass wir uns mit dieser Aktion am Klinikgeburtstag beteiligen“, sagt Marko Fiege. „Wir haben ausgerechnet, dass wir statistisch gesehen, zwei bis drei Leben im Kreis Steinburg pro Jahr retten, wenn wir 700 Schüler ausbilden. Da fällt die Motivation nicht schwer.“

(Delf Gravert / Gravert, Norddeutsche Rundschau vom 27. 05. 2016)