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Pauken und Spielen nach Feierabend: Offener Ganztag am SSG
Pauken und Spielen nach Feierabend: Offener Ganztag am SSG

Über mangelnde Motivation kann sich Hanno von Knobloch in seinem Schachkurs am Sophie-Scholl-Gymnasium (SSG) nicht beschweren. 18 Schüler sitzen sich an den Tischen des Physikraums gegenüber und sind in ihr Spiel vertieft: Jüngere und Ältere, Jungs und Mädchen. Manche kommen seit Monaten regelmäßig, und auch zu einem Schachturnier reisten acht Teilnehmer der Schach-AG schon mit ihrem Lehrer – freiwillig, an einem Sonnabend.

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Die Schach-AG ist Teil der offenen Ganztagsschule des SSG. Von der siebten bis zur neunten Stunde bietet die Schule verschiedene Kurse für Kinder an, die länger bleiben müssen – oder wollen. Den Kurs haben alle freiwillig gewählt. Manchen macht er so viel Spaß, dass sie vom Denksport nicht genug kriegen können: „Ich möchte bald in einen Schachclub gehen“, sagt Bjarne (11). Nach den Worten seines Lehrers ist er schon ziemlich gut, vor dem Kurs hat er mit seinem Opa gespielt, das macht sich jetzt bezahlt: „Auch die Oberstufenschüler schlägt er“, sagt Knobloch, der selbst Mitglied in einem Hamburger Schachclub ist. Er beschäftigt die Kinder nicht nur mit Spielen, sondern bringt ihnen auch Theorie und Tricks bei. Sein Ziel ist, dass jeder in der AG ein Turnier spielen könnte.

Etwa 100 bis 120 Schüler kommen pro Schuljahr in die Kurse der Ganztagsschule, montags, dienstags und donnerstags können die Teenager am Computer programmieren, Sport machen oder zur Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung gehen. Anfang Februar erscheint ein neues Programm, die Schach-AG wird weiter bestehen. „Es gibt keine Pflicht, an den Kursen teilzunehmen, und auch keine Noten“, sagt Koordinatorin Nadine Gudat. „Wir sind zudem Mitglied der Agentur ‚Ganztägig lernen‘ und entwickeln unser Programm bei Treffen mit anderen Schulen immer weiter.“ Sie glaubt, dass Ganztagsschulen durch die wechselnden Arbeitszeiten von Eltern immer wichtiger werden.

Ein positiver Effekt des Angebots am SSG: Es gibt Kurse, die von Oberstufenschülern geleitet werden, zum Beispiel Flag-Football. So kommen auch jüngere und ältere Schüler in Kontakt, die ansonsten nicht viel miteinander zu tun haben. „Das prägt natürlich die Schulgemeinschaft. Wir versuchen immer, Oberstufenschüler dafür zu gewinnen, Kurse der Ganztagsschule zu übernehmen“, sagt Gudat.

Leon (17) kommt gern zur AG: „Ich wusste nicht, wo ich sonst Schach spielen kann. Hier spielt man gegen jeden mal.“ Ihm gegenüber sitzt die gleichaltrige Christina Fritz – sie meint, die Schach-AG sei am ehesten für Oberstufenschüler geeignet.

„Die Älteren sind schon sehr ehrgeizig im Spiel“, sagt Knobloch „aber die Jüngeren können sehr gut mithalten.“ Insgesamt sei es sehr positiv, wie heterogen die Gruppe zusammengesetzt sei.

(Robin Grützmacher, Norddeutsche Rundschau vom 24. Januar 2017)