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Bei dieser Debatte geht’s um die Wurst
Bei dieser Debatte geht’s um die Wurst

Zwölf Schüler messen sich beim Regionalentscheid des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ - drei Itzehoer Gymnasiasten unter den Siegern.


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Es riecht nach Bratwurst, als sich zwei Schülerinnen in der Mensa des Sophie-Scholl-Gymnasiums (SSG) zu einer kurzen Besprechung zusammensetzen. Helena Geiges (14) hat einen Haufen Zettel vor sich liegen, auf denen sie Pro- und Contra-Argumente zusammengetragen hat. Sie spricht schnell und ihre Hände zittern ein wenig. Jacqueline Junge (15) googelt mit ihrem Handy einige Fakten. Auch ihr ist die Anspannung anzusehen. Erst seit wenigen Augenblicken wissen die beiden, dass sie in einer Debatte, die in zehn Minuten beginnt, ein Team bilden sollen. Bei der Erörterung der Frage, ob eine Kennzeichnungspflicht für Fleisch aus Massentierhaltung eingeführt werden soll, müssen sie die Pro-Seite vertreten.

Die beiden sind zwei von zwölf Schülern, die im Regionalwettbewerb „Jugend debattiert“ gegeneinander antreten. Zuvor haben das SSG, die Kaiser-Karl-Schule sowie das Ludwig-Meyn-Gymnasium in schulinternen Entscheiden ihre besten „Debattanten“ ermittelt. Jeweils zwei Pro- und zwei Contra-Vertreter diskutieren miteinander, in einer gut 20-minütigen Runde haben sie Gelegenheit, ihre Argumente auszutauschen. Eine Jury aus Schülern und Lehrern bewertet die Kontrahenten.

Noch zwei Minuten bis zur Debatte: „Wir setzen ganz auf Eier“, sagt Helena. „Da gibt es bereits eine Kennzeichnungspflicht.“ – „Ja, das ist gut“, meint Jacqueline. „Ich sehe gerade im Netz, dass sich 79 Prozent der Bürger für eine Kennzeichnungspflicht aussprechen. Das ist ein gutes Argument.“ Helena blickt auf die Uhr: „Wir müssen los.“ Wenige Sekunden später sitzen die beiden in einem Klassenraum auf dem Podium und schauen einer vierköpfigen Jury in die Augen.

Gleich in ihrer Eröffnungsrede bringt Helena das Beispiel mit den Eiern. Maximilan Meier (14) und Lena Miller (14) von der Gegenseite will das nicht so recht überzeugen. Sie setzen auf die soziale Frage: „Wir befürchten, dass billiges Fleisch vom Markt verschwindet, und nicht jeder kann sich teure Produkte leisten“, sagt Maximilian. Mehrmals spielen die beiden gegnerischen Teams den Ball hin und her. Während Helena und Jacqueline mit Qualität und Gesundheit argumentieren, bringen Maximilian und Lena auch die Produzenten und Händler von Billig-Fleisch ins Spiel, die leiden würden. „Aber die Nachfrage nach Bio-Fleisch würde doch steigen“, kontert Jacqueline und erntet fragende Blicke von der Gegenseite. „Weil die Verbraucher bewusster einkaufen würden“, schiebt Helena hinterher und hat damit das letzte Wort in dieser Debatte. Die Zeit ist um. „Ich war froh, dass ich die Pro-Seite vertreten musste“, sagt Jacqueline, die mit sich zufrieden ist. Sich mit den Argumenten der Contra-Seite zu identifizieren, wäre ihr wesentlich schwerer gefallen.

Genau das sei eines der Anliegen des bundesweiten Wettbewerbs, sagt SSG-Lehrerin Juliane Schaar: „Die Schüler müssen sich mit Meinungen auseinandersetzen, die nicht ihrer Überzeugung entsprechen.“ Außerdem würden sie lernen, überzeugende Vorträge zu halten.

Die Anspannung ist auch nach der Debatte noch nicht von Helena Geiges abgefallen. Das ändert sich, als wenige Minuten später das Ergebnis verkündet wird: Neben Lena Miller ist sie Erstplatzierte in ihrer Altersgruppe. Erleichtert verlässt Helena den Raum – und da ist er wieder: der Bratwurst-Geruch aus der Mensa.

In Altersgruppe 1 (8./9. Klasse) gewannen Lena Miller (Sophie-Scholl-Gymnasium) und Helena Geiges (Ludwig-Mein-Gymnasium, Uetersen) den Regionalentscheid. Jan Julius Stöver (Sophie-Scholl-Gymnasium) und Nils Witt (Kaiser-Karl-Schule) siegten in Altersgruppe 2 (10./11. Klasse). Sie fahren zum Landesentscheid am 15. März in Kiel.

(Michael Althaus, Norddeutsche Rundschau vom 15. Februar 2017)