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SSG- Schüler löchern Jugendpolitiker
SSG- Schüler löchern Jugendpolitiker

Am Sophie-Scholl-Gymnasium stellt sich der Parteinachwuchs potenziellen Neuwählern: Interesse an Flüchtlingspolitik, der AfD und G8.


Vier junge Politiker sitzen in der Aula des Sophie-Scholl-Gymnasiums vor etwa 200 Schülern der zehnten und elften Klassen: Tobias Loose von der Jungen Union (CDU), Tobias Claßen von den Jungen Liberalen (FDP), Denise Loop von der Grünen Jugend (Bündnis 90/Die Grünen) und Sebastian Borkowski von der Linksjugend (Die Linke). Vertreter von SPD, Piraten und AfD fehlen. Über die Alternative für Deutschland tauschen sich Schüler und Jugendpolitiker jedoch trotzdem aus – die durch ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz in letzter Zeit aufstrebenden Sozialdemokraten sind hingegen kein Thema.

Zunächst erklären die vier Politiker ihre Forderungen: Es ist Wahlkampf, das Wahlalter in Schleswig-Holstein wurde auf 16 Jahre gesenkt und der Saal ist somit voll mit potenziellen Wählern. Ein Thema, das viel Zeit in Anspruch nimmt, ist die Wahlmöglichkeit zwischen acht und neun Jahren Gymnasium (G8 und G9). Claßen und die FDP wollen sie beibehalten, Borkowski und Die Linke G8 abschaffen – damit die Schüler mehr Zeit für andere „sinnvolle und sinnlose Dinge haben“, wie er sagt. Ein Schüler aus dem Publikum kann das in der Fragerunde nicht nachvollziehen: „Ich finde, es hält sich die Waage. Ich bin für die Wahlfreiheit, es sind nicht alle Schüler am Ende und haben zu wenig Freizeit“, hält er – statt eine Frage zu stellen – ein Plädoyer für G8.

Das nächste Thema der Jugendpolitiker: Infrastruktur. CDUler Loose spricht sich für mehr Autobahnbau aus, Claßen für Straßensanierungen, Loop von den Grünen für flächendeckendes Wlan und Borkowski für einen kostenlosen Nahverkehr. „Ich frage mich, wieso Sie hier alle die Infrastruktur als Schwerpunkt nennen, nicht aber den Umgang mit Flüchtlingen“, fragt eine Schülerin anschließend. Loose und Claßen antworten, sie seien zwar für Hilfe und Integration, wer sich jedoch nicht an die Regeln des Rechtsstaates halte, müsse das Land verlassen. Borkowski erwidert, er habe über Soziales gesprochen, was Flüchtlinge einschließe. Er mache da keinen Unterschied zwischen Nationen: „Sozialen Wohnungsbau brauchen zum Beispiel alle.“

Ein weiterer Schüler fragt nach dem Umgang mit Populismus und Rassismus. Loose antwortet, er finde es schade, dass die AfD bei der Diskussion nicht dabei sei, da man sich mit ihr auseinandersetzen müsse. „Wir erleben aber auch oft, dass die AfD Podiumsdiskussionen einfach absagt. Sie ist inhaltlich sehr leer“, so Claßen. „Die AfD in Schleswig-Holstein hat nichts zu bieten. Parteimitglieder verklagen sich dort untereinander, man nutzt Anwälte, die der NPD nahestehen und inhaltlich ist es Müll. Es ist superwichtig, dass ihr wählen geht und die AfD schlecht dasteht“, appelliert Loop an die Schüler.
Lars Michaelsen aus der 10d sagte anschließend: „Ich finde es gut, dass die Parteien das selbe Spektrum haben, die gleichen Themen behandeln und alle gegen die AfD sind.“ Mitschüler Noah Lohse sagte: „Das Thema G8 und G9 hat mich am meisten interessiert, weil es mich und auch meine jüngeren Geschwister, die in die fünfte Klasse kommen, direkt betrifft, “. Nicht so interessiert am Thema Bildung war Vanessa Ris: „Ich fand es gut, dass Menschen- und Tierrechte von den Grünen thematisiert wurden. Die ewige Diskussion über Infrastruktur sowie G8 und G9 fand ich langweilig.“

(R. Grützmacher, Norddeutsche Rundschau vom 30. 03. 2017)