Herzlich Willkommen am Sophie Scholl Gymnasium Itzehoe
Vom SSG nach Schanghai
Vom SSG nach Schanghai

Kathrin und Jörn Gräbert unterrichten künftig in der chinesischen Millionenstadt.


Das Schuljahr ist vorbei, Pause für Schüler und Lehrer. In einigen Wochen geht es wieder los – auch für Kathrin und Jörn Gräbert. Der Unterschied zu den Lehrerkollegen: Das Itzehoer Ehepaar arbeitet dann rund 8500 Kilometer entfernt. Vom Sophie-Scholl-Gymnasium geht es für sie für zunächst drei Jahre an die deutsche Schule in der chinesischen Metropole Schanghai.

Jörn Gräbert ist viel gereist, hat auch seinen in China arbeitenden Vater besucht. Aber in einem fremden Land zu arbeiten und zu leben, das ist neu für ihn. „Kathrin ist noch mehr von Fernweh geplagt als ich“, sagt der 37-Jährige. „Ich wollte schon immer ins Ausland“, bestätigt seine Frau. Sechs Jahre lebte sie als Kind in Indien, war schon in England und in China. Jetzt wolle sie während des Schuldienstes auf jeden Fall die Möglichkeit nutzen – und ja, Abenteuerlust spiele auch eine Rolle.

Achteinhalb und neun Jahre waren beide am SSG, dort lernten sie sich kennen. In Itzehoe und an der Schule hätten sie sich immer wohl gefühlt, sagen beide. Allerdings sei die Stadt „irgendwie ein bisschen provinziell“, wirklich verwurzelt sind beide nicht. Jetzt tauschen sie gut 30 000 Einwohner gegen 22 Millionen, im Großraum Schanghai sogar 30 Millionen. Dass es China wurde, ist „eher Zufall“. Auch eine Schule im kalifornischen Silicon Valley kam in Frage, doch die Anfrage blieb unbeantwortet.

Erst musste die SSG-Leiterin zustimmen, dann das Land, danach waren die beiden Beamten im Bewerberpool, und die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Köln entschied. Einerseits bleiben die Strukturen gleich, sagt Jörn Gräbert: Er unterrichtet Mathe und Sport, sie Englisch und Sport an der deutschen Schule mit 700 Gymnasiasten, die auf einem Campus unter anderem mit Kindergarten und auch französischer Schule liegt. Andererseits: „Neu ist natürlich das ganze Umfeld.“ Und auch eine berufliche Herausforderung: Beide sollen die Ostasien-Spiele der deutschen Schulen mitorganisieren.

Und das Leben? Zunächst wohnt das Ehepaar im Hotel, bis eine Wohnung gefunden ist. Dann kommt per Schiff der Container mit ihren Habseligkeiten, darunter nur wenige Möbel. Viel werden sie mit anderen Deutschen und Ausländern in Schanghai zu tun haben, „aber man findet hoffentlich mit der Zeit Kontakte zu Chinesen“, sagt Jörn Gräbert. Das Land wollen sie bereisen, das Surfen fällt für beide allerdings voraussichtlich flach – die Wasserqualität. Schwimmen und Yoga hat sich Kathrin Gräbert vorgenommen, laufen will sie weiterhin – wenn es die Luftqualität zulässt. „Zur Not kaufe ich ein Laufband und stelle es in die Wohnung“, sagt ihr Mann, der hier zudem in der dritten Herrenmannschaft der Itzehoe Eagles Basketball spielte.

Die Vorfreude überwiegt vor dem Abflug am 8. August, auch wenn sie etwas traurig seien, so viele Freunde und Kollegen zurücklassen zu müssen. Nach Ablauf der drei Jahre hat das Paar drei Optionen: In Schanghai bleiben, in ein anderes Land wechseln oder nach Schleswig-Holstein zurückkehren. Könnte ja sein, dass sie hier gebraucht werden: „Das Land hat das letzte Wort“, sagt Jörn Gräbert. „Weil wir immer noch Beamte sind.“




(Lars Peter Ehrich, Norddeutsche Rundschau vom 31. Juli 2018)