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Wie tickt die 9. Klasse in Schleswig-Holstein?
Wie tickt die 9. Klasse in Schleswig-Holstein?

Schüler vom SSG sind Teil einer wissenschaftlichen Untersuchung. Es geht um die Frage, ob Texte oder Comics auf Englisch besser gelesen und verstanden werden.

Ein großer Stapel Papier, reichlich Buchstaben. Sascha Ahlers hat viel zu lesen mitgebracht für die Klasse 9a der Auguste-Viktoria-Schule (AVS).

Ein anderer Klassenraum, wieder viel Papier. Doch auf den Zetteln, die Sean Holt an die 9b verteilt, geht es deutlich bunter zu. Hier wird die Geschichte von Nobody als Graphic Novel im Comic-Stil erzählt.

Ahlers und Holt kommen von der Kieler Christian-Albrechts-Universität und sind auf dem Weg zum Master in Fachdidaktik Englisch. Ihre Aufgabe: eine Studie zum Leseverhalten von Schülern. Eine ähnliche Studie habe Professorin Susanne Heinz aus dem Englischen Seminar der Kieler Uni schon einmal mit 200 Schülern ausgeführt, jetzt kämen noch einmal 200 hinzu, sagt Ahlers. „Das hat schon eine gewisse Repräsentativität.“ Dafür sind die Master-Studenten mit Unterstützung von zwei Kommilitonen am Sophie-Scholl-Gymnasium, der AVS sowie weiteren drei Schulen in Neumünster und Heikendorf zu Gast.

Die Basis ist das Graveyard-Buch von Neil Gaiman um den Jungen Nobody, der auf einem Friedhof von dessen Bewohnern aufgezogen wird. Heraus kam es 2008, einige Jahre später dann als Graphic Novel. Für die Variante, die sie jeweils erhalten haben, bekommen die Neuntklässler 40 Minuten zum Lesen, weitere 40 Minuten für einen anonymen Fragebogen, teils auf Englisch, teils auf Deutsch. Dieser soll zeigen, wie viel sie vom Inhalt verstanden haben und wiedergeben können, aber auch allgemein Auskunft geben über die Lesepräferenzen der Schüler. Das werde beispielsweise auch mit der großen JIM-Studie zur Mediennutzung Jugendlicher abgeglichen, so Ahlers. Eine der Fragen: Welchen Stellenwert hat das Buch gegenüber Netflix? „Ich habe noch nie ein Buch aus dem Unterricht zu Ende gelesen“, lautet eine Schülerantwort. Eine andere: „Es ist besonderer, ein Buch zu lesen, als einen Film zu sehen.“

Teils stellten Schüler fest, dass die Graphic Novel Vorteile bringe, sagt Ahlers. „Aber es ist nicht ganz so eindeutig, wie man im ersten Moment denken mag.“ Manche präferierten den klassischen Fließtext – und sähen die Graphic Novel eher als geeignet für jüngere Schüler.

„Jede Antwort, die ihr uns gebt, ist für uns unheimlich wertvoll“, sagt Ahlers den Neuntklässlern. „Das Ziel ist es, Erkenntnisse für den Englisch-Unterricht abzuleiten.“ Die Frage sei, wie es für die Schüler attraktiv gemacht werde, sich mit Texten auseinander zu setzen. Oder anders formuliert: „Wie tickt die 9. Klasse in Schleswig-Holstein im Schnitt?“

(Ehrich, Norddeutsche Rundschau vom 25. Februar 2019)