Herzlich Willkommen am Sophie Scholl Gymnasium Itzehoe
Sophie Scholl

Seit dem 6. Mai 1994 trägt unsere Schule den Namen

"Sophie - Scholl - Gymnasium" 

 

Argumente für die Namenswahl:

Sophie Scholls Lebenslauf macht eine enge Bindung zu ihrem Bruder Hans deutlich, und das gemeinsame Handeln beider rechtfertigt, dass sie gemeinhin immer als "Geschwister Scholl" zusammen genannt und gewürdigt werden. Wenn sich die Schulkonferenz dennoch auf Sophies Namen allein festlegte, so ist darin keine Wertung, gar Abwertung des Hans Scholl zukommenden Ranges zu erblicken. Die vielfältige gemeinsame Nennung aber hat dazu geführt, dass der Name "Geschwister Scholl" zu etwas Etiketthaftem geworden, fast ein wenig versteinert ist. Es setzte sich bei uns in der Schule die Auffassung durch, dass das mit dem Namen "Scholl" sich verbindende Vermächtnis jungen Menschen besonders eindrucksvoll an der Biographie dieses einen Menschen nahegebracht werden könne. Sophie Scholl war eine empfindsame, starker Gefühle fähige junge Frau. Aber ebenso ausgeprägt war ihr klarer Verstand. Sie war nicht zur Querulantin, zur notorischen Aufbegehrerin geboren, sondern sie klammerte sich lange an die Vorstellung, sie könne auch gegen den Einfluss von Bedrohlichem in der politischen Wirklichkeit für sich ein erfülltes Leben schaffen. Widerstand war ihr nicht ideologisch vorgegeben. Wohl aber beobachtete sie, fest auf der ethischen Grundlage des Christentums stehend und unverbildet durch Parolen, das politische Geschehen mit wachen Sinnen. Im Gegensatz zur Mehrheit ihrer Mitmenschen verdrängte sie das Wahrgenommene nicht, sondern zog Folgerungen. Damit entwickelte sie sich konsequent auf eine zur allein zugelassenen Ideologie gegensätzliche Position hin und hatte dann den Mut, aus Denken Handeln werden zu lassen. Sie war in allem eigenständig, auch wenn sie durch die starke Bindung zu ihrer Familie und den Freunden Orientierung erfuhr.

Aus dem hier Dargelegten wird erkennbar, dass der Lebensweg Sophie Scholls in besonderer Weise Erziehungsziele, die auch in der Gegenwart bejaht werden, spiegelt.

  1. Selbständigkeit und Eigenständigkeit des Urteils: Sie übernimmt nicht einfach die Ansichten ihrer Eltem, folgt aber auch nicht den Einflüsterungen und Parolen anderer, sondem beobachtet, wagt und gelangt selbst zu Schlussfolgerungen.
  2. Übernahme von Verantwortung für das Ganze: Sie zieht sich nicht auf ihr Fachstudium und den engen Kreis des Privaten zurück, als sie Menschenrechte in Gefahr sieht, sondern fühlt sich herausgefordert.
  3. Standfestigkeit und Bekennermut: Für richtig Erkanntes unterdrückt sie nicht; auch dann nicht, wenn sie sich Schwierigkeiten ersparen könnte. Vielmehr will sie vernehmlich Zeugnis ablegen und ist optimistisch, dass dies auf Dauer nicht wirkungslos bleibe.
  4. Ehrfurcht: Die Lösung vom Elternhaus, die durchaus früh und entschieden einsetzt, entfremdet sie ihren Eltem zu keinem Zeitpunkt; Liebe und Respekt ihnen gegenüber bleiben unbeeinträchtigt. Sie vermag im Kleinen die Verkörperung göttlicher Ordnung zu sehen und bleibt sich jederzeit der eigenen menschlichen Unzulänglichkeit bewusst.

An Sophie Scholls Reden und Handeln ist nichts Phrasenhaftes oder Halbherziges. Sophie Scholl ist kein entrücktes Idol, sondern kann jungen Menschen in ihrer Geradlinigkeit, Unbeugsamkeit und Stärke auch deshalb außerordentlich nahegebracht werden, weil sie für ihr kurzes Leben erstaunlich viele schriftliche Zeugnisse (zumeist Briefe) hinterlassen hat.

In der Diskussion ist auch die Frage gestellt worden, ob eine Änderung des Schulnamens nach 25 Jahren noch angebracht sei. Nun, wir haben nicht etwa eine veraltete, unbrauchbar gewordene Bezeichnung abgelegt, sondern wir haben den bisherigen Namen bewahrt, ihn allerdings ergänzt um ein Element, das für das pädagogische Tun an unserer Schule eine hohe Verpflichtung bedeutet. So mag die Namensänderung Ausdruck dafür sein, dass diese Schule als Institution ihre Aufbau- und Konsolidierungsphase hinter sich gebracht hat, also gewissermaßen erwachsen geworden ist.