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Buddeln für Hoffnung
Buddeln für Hoffnung

Auf dem Weg zur Klimaneutralität – Sophie-Scholl-Gymnasium pflanzt 50 Bäume


„Oft heißt es, dass wir Schüler nur zu Fridays-For-Future-Demonstrationen gehen, um zu schwänzen“, sagt Thure Steenfatt, während er eine weitere Schaufel mit Erde aushebt. Der 15-Jährige ist einer von rund 120 Schülern, Eltern und Lehrern des Sophie-Scholl-Gymnasiums (SSG), die sich am Tag der deutschen Einheit in Drage zusammenfanden, um 50 Bäume zu pflanzen. Doch das ist mehr als Einheitsbuddeln.

Der Schüler könnte stattdessen den Feiertag anderweitig nutzen und entspannt auf dem Sofa liegen, aber das will er nicht: „Hier kann man zeigen, dass einem der Klimaschutz wirklich wichtig ist und die Demos keine Ausrede sind, um die Schule zu verpassen.“

Ursprünglich war geplant, mit 50 Schülern zum 50-jährigen Bestehen des SSG 50 Bäume einzupflanzen. Aus den 50 Teilnehmern wurden dann aber 120. „Die Resonanz ist überwältigend“, freut sich Marita Schwenk, eine der Organisatoren. „Am Anfang hatten wir Angst, hier ganz alleine zu stehen“, erzählt der Initiator des Projekts, Martin Ludwigh. Der Lehrer des SSG habe in den vergangenen vier Wochen kaum geschlafen, vermutet Schulleiterin Magdalena Diodati. „Er ist der Hauptmotor der Aktion“, sagt sie, verweist aber auch auf die vielen anderen Helfer. Darunter etwa die Gemeinde Drage, die Fielmann AG, die Stiftung Klimawaldschule oder der Pflanzenhof Eggert.

„Das ist unsere Antwort auf Fridays For Future“, sagt Diodati. Als Schule würden sie den Schülern Hoffnung geben wollen und zeigen, dass man nicht vor Angst gelähmt sein muss, sondern handeln kann. Diodati: „Es gibt Hoffnung, dass so viele Leute dem Aufruf gefolgt sind und jetzt an einem Feiertag körperliche Arbeit leisten.“ Das zeige den Schülern, dass man gemeinsam viel erreichen kann. „Wir wollen die Kinder nicht in eine hoffnungslose Zukunft schicken“, erklärt die Schulleiterin.

Aber reichen 50 Bäume, damit das SSG klimaneutrale Schule wird? „Wir sind noch nicht nachhaltig, aber wir gucken hin und versuchen es“, antwortet die Schulleiterin. So solle das Bäumepflanzen zur Tradition werden, die Solaranlage auf dem Schuldach erneuert und der „Warme-Pulli-Tag“ wiederholt werden. Außerdem werde derzeit daran gearbeitet, eine Mitfahr-App für das SSG zu gestalten. Die Schulleiterin ist begeistert: „Es interessieren und engagieren sich unglaublich viele Schüler, Lehrer und Eltern. Besser geht es nicht, oder?“

Auch der Zwölftklässler Julian Jeske ist beim Buddeln dabei und glaubt, dass das SSG nicht weit weg von dem Ziel ist, eine klimaneutrale Schule zu werden. „Es kann sein, dass es so wird, weil wir immer mehr freie Parkplätze haben“, sagt der 18-Jährige. Er findet es gut, dass sich die Schule für den Umweltschutz einsetzt.

Für das große Engagement hat Organisator Ludwigh eine einfache Erklärung: „Ich glaube, einige sind hier, weil sie endlich etwas Gutes tun können.“ Manche vielleicht auch wegen des Essens und der Getränke, fügt er schmunzelnd hinzu. „Der Funke ist übergesprungen“, freut sich auch die Schulleiterin.

„Nächstes Jahr wollen wir 51 Bäume pflanzen“, sagt Ludwigh. Aber eine Fläche für das Pflanzen der Bäume zu finden, sei schwer. Dem stimmt Mitorganisatorin Schwenk zu: „Jede Gemeinde, die Flächen zu Verfügung hätte, kann sich gerne bei uns melden.“


(Annika Grundmann, Norddeutsche Rundschau vom 4. Oktober 2019)