Mit der Traumnote 1,0 ist Antonia Bremer am Dienstag am Sophie-Scholl-Gymnasium (SSG) entlassen worden – Jahrgangsbeste. Und das nicht zum ersten Mal. „Ich komme von drüben“, sagt die 19-Jährige und deutet in Richtung Gemeinschaftsschule am Lehmwohld im anderen Gebäudetrakt. Vor drei Jahren hatte sie dort den Mittleren Schulabschluss gemacht – ebenfalls als Schulbeste. Sie lächelt milde. Ja, damals hatte sie der Ehrgeiz gepackt, weil es einen Dreikampf um den Titel gab. „Da habe ich gezielt drauf hingearbeitet“, so Antonia Bremer. Nach einem halbem Jahr am Gymnasium habe sie gemerkt, dass sie auch dort „ganz gut mitkomme“. „Ich habe vielleicht mal von einem Einser-Abi geträumt“, gibt sie zu, aber als dann die Noten verkündet wurden und sie mit 1,0 als Schulbeste abgeschnitten hatte, sei das schon eine große Überraschung gewesen.

24 Schülerinnen und Schüler haben in diesem Jahr am SSG eine 1 vor dem Komma. Die Null dahinter hat nur die 19-Jährige. 1,1 gab es nicht, aber dahinter sei alles bunt gemischt.

90 Abiturienten werden am SSG feierlich entlassen. Der Notendurchschnitt beträgt 2,49. „Das ist so unser Standard“, erklärt Schulleiterin Magdalena Diodati. Es sogar leicht besser als sonst. Sieben Schüler hätten das Abi nicht bestanden. Die seien aber nicht sonderlich überrascht gewesen und auch „weich gefallen“, so Oberstufenleiter Rolf Ebert, denn ihre Fachhochschulreife hatten sie auf jeden Fall.

Die Verabschiedung findet klassenweise statt. Diodati: „Eine Klasse musste sogar geteilt werden, weil sie so groß war. Darum kommen wir auf sieben Veranstaltungen.“

Auch wenn die Prüfungsvorbereitungen bei der Corona-Schließung der Schulen schon weitgehend abgeschlossen gewesen seien und es letztlich nur zwei Wochen ohne Präsenz-Unterricht waren, hätten die Absolventen starke Nerven gezeigt. „Die Unsicherheit unter den Schülern war sehr groß“, weiß Ebert.

Um aus der Situation das Beste zu machen, hat man am SSG Corona wörtlich genommen – auf lateinisch bedeutet es nämlich Krone. Und so bekam jeder Schüler bei seiner Verabschiedung neben dem Zeugnis auch eine Krone.

(Andreas Olbertz, Norddeutsche Rundschau vom 24. Juni 2020)