Schüler von SSG und Gemeinschaftsschule am Lehmwohld nehmen an „Wörterwelten“ teil / Szenische Lesung zum Abschluss

In so manchem Schüler steckt ein wahres Schreibtalent – das beweist ein Projekt des Sophie-Scholl-Gymnasiums (SSG) und der Gemeinschaftsschule am Lehmwohld. Es nehmen 20 Schüler an dem Programm „Wörterwelten“ des Friedrich-Bödecker-Kreises teil, das in vollem Umfang vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur finanziert wird. Am Sonntag, 29. September, ab 18 Uhr endet das halbjährige Freizeitangebot mit einer szenischen Lesung der Schüler (Eintritt frei).

„Als ich von Wörterwelten erfuhr, habe ich mir gedacht, das müssen wir an unsere Schule holen. Es ist eine tolle Ergänzung zum Unterricht und fördert die Kreativität“, ist SSG-Deutschlehrerin Nina Drabinski begeistert. Nicht nur die Literatur und das Schreiben würden den Jugendlichen in einem außerschulischen Rahmen ohne Noten näher gebracht, es gebe den Schülern zudem eine eigene Stimme.

Zu dem Projekt gehört die Partnerschaft mit Autorin Cornelia Franz, die vornehmlich Kinder- und Jugendbücher, aber auch Reiseführer und Romane für ein erwachsenes Lesepublikum schreibt. Sie gab in der ersten Projektphase vor den Sommerferien Anreize, nach denen die Teilnehmer Assoziationen bildeten, aus denen sie wiederum eigene Texte schrieben. Die Schüler suchten sich anschließend jeweils eine der eigenen Geschichten aus, die in dem Buch mit dem Titel „Ich gehe meinen Weg“ gedruckt wurden. „Als ich angefangen habe, darin zu lesen, konnte ich nicht mehr aufhören. Es ist so toll und zeugt von Talent“, war Drabinski gleich gefangen.

In der zweiten Projektphase wurden die Texte von den Jugendlichen selbst im Kulturbahnhof eingelesen, woraus eine Audio-CD entstand. „Mit großem Engagement wurde vorgetragen, manchmal Gänsehaut verursacht, wenn eine sehr tiefe persönliche Ebene berührt wurde“, sagt Ingrid Ebinal vom Kulturbahnhof.

In der dritten Phase wird die gut 60-minütige Abschlussveranstaltung ausgearbeitet und geprobt. Unterstützt werden die Schüler dabei von Cornelia Franz und Theaterpädagoge Frederic Lilje. Zum Abschluss am 29. September erwarte die Besucher eine stimmungsvolle szenische Lesung an mehreren, von den Schülern passend zu ihren Texten ausgewählten Orten im Schulzentrum, verrät die koordinierende Lehrerin Drabinski. Die Jugendlichen werden ihre Texte dabei live lesen. Eine Besonderheit besteht in den Positionen von Publikum und Schülern: Die Besucher sitzen zum Teil auf der Bühne, die Jugendlichen stehen auf den Stühlen.

Für die beiden Teilnehmerinnen Josephine (13) und Eileen (15) aus der Klasse 8c der Gemeinschaftsschule am Lehmwohld überwiegt vor ihrem Auftritt nach eigenen Angaben nicht die Aufregung, sondern die Vorfreude. Sie hätten beide schon vor Wörterwelten geschrieben, aber nur für sich selbst. „Ich hatte Angst, meine Geschichten anderen zu zeigen. Hier hatte ich die nicht. Außerdem hilft das Projekt, mich zu verbessern“, sagt Josephine. Eileen ergänzt, wie toll die Gruppe der Sechst- bis Elftklässler zusammengewachsen sei und wie wertvoll die Tipps von einem Profi sind.

Für Cornelia Franz ist diese Art der Schreibwerkstatt eine neue Erfahrung: „Ich nehme mit, welch eine Begeisterungsfähigkeit in den Jugendlichen steckt. Sie sind selbstbewusster und mutiger geworden, haben das Projekt mit Leben gefüllt und viel Engagement noch nach dem Unterricht gezeigt.“

Schüler von SSG und Gemeinschaftsschule am Lehmwohld nehmen an „Wörterwelten“ teil / Szenische Lesung zum Abschluss

 

„Oft heißt es, dass wir Schüler nur zu Fridays-For-Future-Demonstrationen gehen, um zu schwänzen“, sagt Thure Steenfatt, während er eine weitere Schaufel mit Erde aushebt. Der 15-Jährige ist einer von rund 120 Schülern, Eltern und Lehrern des Sophie-Scholl-Gymnasiums (SSG), die sich am Tag der deutschen Einheit in Drage zusammenfanden, um 50 Bäume zu pflanzen. Doch das ist mehr als Einheitsbuddeln.

Der Schüler könnte stattdessen den Feiertag anderweitig nutzen und entspannt auf dem Sofa liegen, aber das will er nicht: „Hier kann man zeigen, dass einem der Klimaschutz wirklich wichtig ist und die Demos keine Ausrede sind, um die Schule zu verpassen.“

Ursprünglich war geplant, mit 50 Schülern zum 50-jährigen Bestehen des SSG 50 Bäume einzupflanzen. Aus den 50 Teilnehmern wurden dann aber 120. „Die Resonanz ist überwältigend“, freut sich Marita Schwenk, eine der Organisatoren. „Am Anfang hatten wir Angst, hier ganz alleine zu stehen“, erzählt der Initiator des Projekts, Martin Ludwigh. Der Lehrer des SSG habe in den vergangenen vier Wochen kaum geschlafen, vermutet Schulleiterin Magdalena Diodati. „Er ist der Hauptmotor der Aktion“, sagt sie, verweist aber auch auf die vielen anderen Helfer. Darunter etwa die Gemeinde Drage, die Fielmann AG, die Stiftung Klimawaldschule oder der Pflanzenhof Eggert.

„Das ist unsere Antwort auf Fridays For Future“, sagt Diodati. Als Schule würden sie den Schülern Hoffnung geben wollen und zeigen, dass man nicht vor Angst gelähmt sein muss, sondern handeln kann. Diodati: „Es gibt Hoffnung, dass so viele Leute dem Aufruf gefolgt sind und jetzt an einem Feiertag körperliche Arbeit leisten.“ Das zeige den Schülern, dass man gemeinsam viel erreichen kann. „Wir wollen die Kinder nicht in eine hoffnungslose Zukunft schicken“, erklärt die Schulleiterin.

Aber reichen 50 Bäume, damit das SSG klimaneutrale Schule wird? „Wir sind noch nicht nachhaltig, aber wir gucken hin und versuchen es“, antwortet die Schulleiterin. So solle das Bäumepflanzen zur Tradition werden, die Solaranlage auf dem Schuldach erneuert und der „Warme-Pulli-Tag“ wiederholt werden. Außerdem werde derzeit daran gearbeitet, eine Mitfahr-App für das SSG zu gestalten. Die Schulleiterin ist begeistert: „Es interessieren und engagieren sich unglaublich viele Schüler, Lehrer und Eltern. Besser geht es nicht, oder?“

Auch der Zwölftklässler Julian Jeske ist beim Buddeln dabei und glaubt, dass das SSG nicht weit weg von dem Ziel ist, eine klimaneutrale Schule zu werden. „Es kann sein, dass es so wird, weil wir immer mehr freie Parkplätze haben“, sagt der 18-Jährige. Er findet es gut, dass sich die Schule für den Umweltschutz einsetzt.

Für das große Engagement hat Organisator Ludwigh eine einfache Erklärung: „Ich glaube, einige sind hier, weil sie endlich etwas Gutes tun können.“ Manche vielleicht auch wegen des Essens und der Getränke, fügt er schmunzelnd hinzu. „Der Funke ist übergesprungen“, freut sich auch die Schulleiterin.

„Nächstes Jahr wollen wir 51 Bäume pflanzen“, sagt Ludwigh. Aber eine Fläche für das Pflanzen der Bäume zu finden, sei schwer. Dem stimmt Mitorganisatorin Schwenk zu: „Jede Gemeinde, die Flächen zu Verfügung hätte, kann sich gerne bei uns melden.“

 (Grischa Malchow, Norddeutsche Rundschau vom 20. September 2019)