Am Sophie-Scholl-Gymnasium treffen Befürworter und Kritiker des Projekts Störauf aufeinander

Andreas Olbertz

Am Sonntag, 26. September, wird nicht nur ein neuer Bundestag gewählt, die Itzehoer sind auch dazu aufgerufen, in einem Bürgerentscheid über die neue Störschleife abzustimmen. Anders als bei der Bundestagswahl sind dabei auch schon Jugendliche ab 16 Jahren zugelassen. Aber wissen die überhaupt worum es geht? Christian Jansen, Lehrer am Sophie-Scholl-Gymnasium (SSG), hat da so seine Zweifel. „Ich habe Kurse, in denen nur zwei Schüler davon gewusst haben“, erzählt er. Deshalb hat er Michael Ruff vom Verein Störauf und Rainer Lutz (Dafi), einen Kritiker des Projekts, zu einer Podiumsdiskussion mit dem elften Jahrgang in die Schule eingeladen.

Attraktivere Innenstadt durch Störschleife

Michael Ruff machte den ersten Aufschlag. Wie er erläuterte, sei der Störarm in Itzehoes mehr als tausendjähriger Geschichte wichtig gewesen – „zum Schutz und für die Versorgung“. Die historische Neustadt sei alles andere als romantisch gewesen. Die große Sanierung mit Zuschüttung des Störarms und weitgehender Vernichtung des alten Häuserbestands sei aber auch „unbefriedigend“.
Der Verein Störauf mache sich für eine Attraktivierung der Innenstadt stark. Die sei wichtig, um Fachkräfte nach Itzehoe zu bekommen. Geplant sei deshalb in einem Bogen vom Spielplatz bei der AOK um das Theater herum bis etwa zum Pappsalon die Stör nachzubauen. Dadurch werde der städtebauliche Missstand am Theater beseitigt. Der neue Störarm werde etwa 1,50 Meter tief, Frischwasser werde ständig fließen, weshalb es keine Verschlickung geben werde, ein Deichdurchbruch zur Stör ist nicht vorgesehen. Die Möglichkeit zur biologischen Selbstreinigung sei gegeben. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt werden auf 14 Millionen Euro geschätzt. Zwei Drittel davon seien Fördermittel. Bei dem auf einige Jahre angelegten Bauprojekt müsse die Stadt also jährlich rund eine Million Euro aufbringen. „Das kann sich Itzehoe leisten“, ist Ruff überzeugt.

Gegner erwarten hohe Kosten

Widerspruch kam von Rainer Lutz. Die Planungen gingen „hier und da etwas an der Realität vorbei“. Inklusive Nebenkosten sei mit 30 bis 100 Millionen Euro zu rechnen. Zu den Nebenkosten zählt Lutz die Verlegung des Zobs an den Bahnhof. „Es gibt absolut keinen Anlass, den abzureißen“, findet er. 1000 innerstädtische Stellplätze würden durch das Projekt vernichtet, das sei nicht gut für die Innenstadt. Störauf als Klimawandel-Anpassungs-Projekt zu verkaufen, sei angesichts eines mit Wasser gefüllten Beton-Trogs „müßig“. Der tauge auch nicht, um bei Starkregen Wassermassen aufzufangen. Der Bereich zwischen dem Möbelmarkt an der Delftorbrücke bis zu den Paddlern am Suder Hafen sei viel besser geeignet, die Stör erlebbar zu machen.
Um diese Argumente herum diskutierten die beiden auf dem Podium etwas, dann durften auch die Schüler Fragen stellen. Einer wollte beispielsweise wissen, woher denn Wasser und Energie für ein Fließgewässer kommen solle. Der neue Störarm werde aus Itze und Mühlenbach gespeist, antwortete Michael Ruff. Die flössen bislang noch in unterirdischen Leitungen. Um das Wasser an die Oberfläche zu bekommen, sei eine Pumpe notwendig.
Wenn schon so viel Geld investiert werden solle, so eine andere Schülerin, warum dann nicht lieber ins Holstein-Center. Dort sei es sinnvoller angelegt. Widerspruch von Ruff und Lutz: Das sei in Privatbesitz, da habe die Stadt keinen Einfluss drauf. Eine andere Schülerin hakte explizit bei Rainer Lutz nach. Für die Innenstadt müsse dringend etwas getan werden, wenn nicht mit einer Störschleife, wie denn dann? Da musst der Politiker nicht lange überlegen: Bücherei und VHS ins Holstein-Center – das belebe diesen Bereich und gebe beiden Einrichtungen attraktive Räume. Die Neugestaltung des La-Couronne-Platzes sei ebenfalls ein wichtiger Baustein und er sei dafür, Autos aus der Innenstadt zu verbannen.
In einer Probeabstimmung sprachen sich die Elftklässler des SSG mit überwältigender Mehrheit für Störauf aus. Aber nur eine Handvoll von ihnen zeigte sich bereit, auch wirklich am Bürgerentscheid teilzunehmen.
Geboten wurde eine Entdeckungsreise durch die Welt der Musik: Orchester, Chor, Klassik, Moderne, mal zart und weich, mal laut und kräftig.

Alle Leistungsstufen der Schulmusik, von Smartchor und Schnupperkurs bis zum Sinfonieorchester, präsentierten ihr Können und begeisterten. Das SSG belegt, dass das Thema Musik in der Schule einen sehr hohen Stellenwert hat: Rund 150 Mitwirkende waren eingebunden, und die füllten den gesamten vorderen Bereich des Kirchenraums. Auch das Konzert heute Abend ist ausverkauft.

(Andreas Olbertz, Norddeutsche Rundschau vom 01. September 2021)