Zwei Selbsttests pro Woche in der Schule, bei einer Teststation oder zu Hause

Es sind fünf Seiten, mit denen sich Bildungsministerin Karin Prien (CDU) an die Eltern von schulpflichtigen Kindern in Schleswig-Holstein richtet. Sie will die Weichen für den Schulstart nach den Osterferien stellen – und die Ministerin weiß, wie schwierig das in diesen Zeiten ist. Aber es bleibe notwendig und unvermeidbar flexibel auf Veränderungen und neue Erkenntnisse zu reagieren“, schreibt Prien. Der Grund: „Das Coronavirus hält sich an keine Pläne und Fristen.“ Die große Änderung nach den Ferien: Aus freiwilligen Tests wird eine Testpflicht.
Zwei Mal pro Woche sollen die Kinder in der Schule getestet werden. Alternativ dürfen sie auch eine aktuelle Bescheinigung eines negativen Tests oder eine „qualifizierten Selbstauskunft über einen durchgeführten Selbsttest im häuslichen Umfeld“ vorlegen. Wer dabei schummelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
Bei der Selbstauskunft setzt das Bildungsministerium auf das Verständnis der Eltern. „Wir vertrauen den Eltern und gehen davon aus, dass alle richtige Angaben machen“, sagt Sprecherin Beate Hinse. Noch müssen Eltern die Selbsttests für zu Hause selbst zahlen, aber „wir hoffen, ab Mai Einzeltests zu haben, dann können diese den Schülern auch mit gegeben werden“, so Hinse.
Magdalena Diodati hält die Testpflicht für den „richtigen Weg“. Das Sophie-Scholl-Gymnasium (SSG) sei mit ausreichend Tests für die nächsten drei Wochen versorgt worden, sagt die Leiterin. Das Testen ist kein Problem, koste nur Zeit.
Auch am Detlefsengymnasium in Glückstadt seien die Tests vor den Ferien problemlos abgelaufen. Orientierungsstufenleiterin Sonja Mess: „Für manche Schüler ist das unangenehm, andere empfinden das als leichtes Kitzeln.“ Nach 15 Minuten liegt das Ergebnis vor. Und da sehen manche Eltern das Problem. Sie verweigerten bisher Testungen in der Schule, weil sie ihr Kind bei einem möglichen positiven Ergebnis Mobbing oder einer Stigmatisierung ausgesetzt sehen.
Dieser Gefahr hat das Kollegium an der Gemeinschaftsschule Wilster von vornherein einen Riegel vorgeschoben. Alle Tests liegen in einem Nachbarraum, die Lehrkraft schaue zunächst allein nach dem Ergebnis, erklärt Schulleiterin Kirsten Körting. So könne ein Schüler bei einem positiven Ergebnis unauffällig informiert und nach Hause geschickt werden. Die Schulleiterin hat den Eindruck, dass sich Vorbehalte eher von Eltern auf die Kinder übertragen. „Die Kinder selbst finden es eigentlich eher spannend, wie ein Experiment im Physikunterricht.“
Vor den Osterferien war die Anzahl der freiwilligen Teilnehmer sehr unterschiedlich. „Bei 240 Kindern haben wir 158 Tests durchgeführt“, berichtet Kay Grünbauer, Leiter der Grundschule Edendorf in Itzehoe. Die Ausführung habe hervorragend funktioniert.
Am SSG lag die Quote bei den jüngeren Schülern der Jahrgänge fünf bis sieben bei etwa 80 Prozent, berichtet Diodati. „Bei den Jugendlichen haben sich zwischen 50 und 60 Prozent beteiligt.“
Vor möglichen Startproblemen haben die Schulleitungen keine Angst. Die Grundschule Edendorf sieht sich gut aufgestellt. Und für alle, die mit den Test noch Probleme haben, hat das Bildungsministerium vorgesorgt. „Wir haben die Schulen mit zahlreichen Material wie Videos und Kurzanleitungen versorgt“, sagt Ministeriumssprecherin Beate Hinse. Wichtig sei, dass jetzt alles reibungslos funktioniere. „Wir wollen die Schulen so lange es geht offen halten.“

(Michael Ruff, Sönke Rother und Herbert Frauen, Norddeutsche Rundschau vom 17. April 2021)