Monatelang haben die Schüler des Wahlpflichtkurses „Lernen durch Engagement“ vom Sophie-Scholl-Gymnasiums auf diesen Moment hingearbeitet. Ein Motto für den Fotowettbewerb zum Ehrenamt musste gefunden werden, Plakate galt es zu gestalten und aufzuhängen. Auch eine Jury musste gefunden und die feierliche Preisverleihung sollte auch noch organisiert werden. Nun war es endlich soweit.
Fast zwanzig junge Menschen hatten Fotos eingereicht. Die Bilder zeigen die ganze Bandbreite des Ehrenamtes im Kreis Steinburg: von der Freiwilligen Feuerwehr, den Fahnenschwenkern bis hin zu jungen Menschen, die sich in der Politik engagieren.
Denn ganz bewusst will der Wettbewerb das Positive in der Gesellschaft thematisieren und mit Beispielen aus der eigenen Umgebung zeigen, dass die Stimmung im Land oft schlechter ist als die Realität vor Ort. Museumsleiterin Esther Wrobbel ist es dabei besonders wichtig, dass ihr Museum mit den Schulen aus der Region zusammenarbeitet.
Die Schüler vom Organisationsteam haben viel über Selbstständigkeit gelernt. So sagt April Wang: „Mir hat das eigenständige Arbeiten am besten gefallen. Sonst wird einem in Schule immer gesagt, was man machen soll. Hier hatten wir die Freiheit, alles selber zu entscheiden.“ Mitschülerin Ilaine Steingräber stimmt ihr zu: “Cool, das wir alles mal alleine machen konnten und dabei so richtig kreativ werden durften. Das Gestalten des Plakates hat mir besonders viel Spaß gemacht.“
Die sechs besten Fotografien wurden von einer Jury ausgewählt. Der erste Preis besteht aus einem Itzehoer Einkaufsgutschein im Wert von 125 Euro. Insgesamt gab es Preise im Wert von immerhin 400 Euro. Das Geld stammt aus dem Förderprogramm „Schule trifft Kultur“ des Landes Schleswig-Holstein, mit dem kulturelle Projekte an Schulen gefördert werden.
Den ersten Platz gewann die Schülerin Laura Oehmicke. Das Foto zeigt ihre Mitschülerin Jette Jeske, die sich seit einigen Jahren in der Politik engagiert. „Jette habe ich ausgesucht, weil ich es wichtig finde, dass man sich nicht immer nur über die Politik beschwert. Jette ist für mich ein Beispiel, dass man sich auch als junger Mensch in der Politik engagieren kann.“
Auf dem Foto ist Jette zu sehen, wie sie bei der Veranstaltung „Jugend im Landtag“ am Rednerpult steht und voller Engagement eine Rede hält. Beide Schülerinnen stimmen überein: „Wenn es in unserer Gesellschaft kein Ehrenamt gäbe, würde einfach so viel Positives wegfallen.“ Die Ausstellung ist noch bis Mitte September im Kreismuseum zu sehen und wird danach noch an andere Ausstellungsorte im Kreisgebiet weiterwandern.
„You can count on me, like one, two, three, I’ll be there…“ – das kenne ich doch, was der Chor da singt! Vieles ist ähnlich, manches aber auch ganz anders als an unserer Schule, das konnte ich bei meinem Besuch am IC21 in Bologna vom 25. bis 29.5.2026 feststellen. Hier durfte ich im Rahmen des Erasmus-Programms vier Tage an der Mittelschule und einen Tag an der angeschlossenen Grundschule hospitieren. In Italien geht die Grundschule bis zur 5. Klasse, anschließend besuchen alle Kinder gemeinsam die Mittelschule von der 6. bis zur 8. Klasse. Erst danach wählen sie eine weiterführende Schule, in der nach Leistung und Neigung differenziert wird (z.B. klassisches, neusprachliches oder technisches Gymnasium, Fachoberschule oder Berufsschule).
Meine Beobachtungsschwerpunkte lagen in den Bereichen der Erziehung zu Demokratie und Nachhaltigkeit, Integration und Differenzierung sowie Unterrichtsmethoden. Während meines Aufenthaltes habe ich am Unterricht in verschiedenen Klassen und Fächern teilnehmen dürfen und viele Gespräche mit Schulleitung und Lehrkräften sowie ein paar Schülerinnen und Schülern geführt. Außerdem gab es in der Woche ein Abschlusskonzert der 8. Klassen, in dem gesungen und getanzt wurde, sowie ein weiteres Konzert der Musikklassen. Die Schule hat einen Musikzweig, für den die Kinder sich bewerben können. Sie erhalten dann zweimal die Woche nachmittags kostenlosen Instrumentalunterricht (einmal einzeln, einmal in der Gruppe) in Klavier, Klarinette oder Querflöte. Der Instrumentalunterricht gilt als zusätzliches Schulfach, es gibt Prüfungen und Noten. Trotz der großen Hitze (die ganze Woche herrschten Temperaturen über 30 Grad!) musizierten alle sehr engagiert und zeigten teilweise außergewöhnliche Fähigkeiten auf ihrem Instrument für eine so kurze Unterrichtszeit.
Das Engagement der Schülerinnen und Schüler im Unterricht variierte stark, was sicher auch am „Sauna-Feeling“ in den Klassenräumen lag. Hitzefrei gibt es nicht, der Unterricht geht jeden Tag bis 14 Uhr. Immerhin endet der reguläre Schulunterricht für die Kinder am 6. Juni (anschließend finden nur noch Prüfungen statt) und beginnt erst am 15. September wieder. Übrigens bekommen sie Übungshefte für die Sommerferien, damit sie in der langen Zeit nicht alles vergessen! In vielen Klassen gibt es Kinder mit Förderbedarf, deshalb sind meistens ein oder zwei Unterstützungslehrkräfte mit im Unterricht. Das ist eine sehr gute Möglichkeit, um die Kinder individueller fördern zu können, aber auch in Italien wurden natürlich die Einsparungsmöglichkeiten erkannt, weshalb um jede Lehrerstunde gekämpft wird. Gerade dadurch, dass die Unterstützungslehrkräfte sich um vieles „nebenbei“ kümmern, kann der Unterricht ansonsten störungsfrei verlaufen. Auch die Integration der Kinder mit besonderen Bedürfnissen gelingt so gut, da sich jemand speziell um sie kümmert und sie bei Bedarf auch Auszeiten außerhalb des Klassenraums nehmen können, sonst aber immer, wenn es geht, im Klassenverband dabei sind. Der Umgang der anderen Schülerinnen und Schüler mit den I-Kindern ist sehr herzlich, sie werden ermutigt und gelobt, wenn sie etwas geschafft haben, und auch mal in den Arm genommen, wenn ihnen etwas zu viel wird. Auf der anderen Seite wurde eingeräumt, dass eine Förderung besonders begabter Kinder im normalen Unterricht kaum möglich ist; dies wird eher in den Nachmittagsprojekten ermöglicht, die neben den Musikkursen zum Beispiel aus Angeboten in den Bereichen Technik, Kunst und Kultur oder Sport bestehen.
Alle Klassenräume sind mit Smartboards ausgestattet, außerdem gibt es z.B. einen Computerraum und eine große Schülerbibliothek. Auch die Klassengrößen ähneln mit um die 25 Personen denen bei uns. Im Unterricht selbst wurde besonders in den 8. Klassen auf die Abschlussprüfungen hingearbeitet, die am Ende der 8. Klasse von allen abgelegt werden müssen. Neben Wiederholungsstunden wurden (wie auch in anderen Klassenstufen) Präsentationen gehalten, die die Schülerinnen und Schüler in Gruppen oder Zweierteams erarbeitet hatten. Zwei Teams einer 7. Klasse hatten extra für mich ein paar deutsche Sätze in ihre Geo-Präsentationen eingefügt, obwohl es in der Schule ansonsten keinen Deutschunterricht gibt (zweite Fremdsprache ist Französisch oder Spanisch)! An der Grundschule habe ich eine tolle Geschichtsstunde gesehen, in der die Kinder einer 4. Klasse mit Begeisterung kleine Rollenspiele zu Mythen der frühen Hochkulturen aufgeführt haben. Es gefällt mir als Geschichtslehrerin sehr gut, dass das Fach Geschichte bereits ab der 3. Klasse unterrichtet wird, sodass alle bis zum Abschluss der 8. Klasse Grundkenntnisse über den gesamten Zeitraum von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Gegenwart erwerben können (und nicht erst wie bei uns bis zur 10. Klasse). Ab der 9. Klasse erfolgt dann noch einmal ein vertiefender chronologischer Durchgang.
Zu den Themen Demokratie und Nachhaltigkeit konnte ich viele interessante Eindrücke mitnehmen. In Italien gibt es seit einigen Jahren landesweit verpflichtend nicht nur Stunden zur Berufsorientierung und Digitalkompetenz, sondern es sind auch pro Schuljahr mindestens 30 Schulstunden „educazione civica“ vorgesehen, was man etwa mit „gesellschaftliche Bildung“ übersetzen könnte. Und diese ist nicht nur in Fächern wie Geschichte oder Geografie angesiedelt, sondern auf alle Schulfächer verteilt. Für jedes Schuljahr gibt es ein konkretes Curriculum, das die Schulen dann selbst an die Fächer anbinden. So übernimmt beispielsweise Mathematik Informationen über Verwaltungsabläufe oder das Erkennen von Falschinformationen, die Naturwissenschaften behandeln Themen im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit sowie Umgang mit Statistiken, Sport umfasst auch Gesundheit und Ernährung, in den Sprachen werden Kommunikation und interkulturelle Bildung gefördert, Kunst und Musik thematisieren das kulturelle Erbe, aber auch den Einsatz von KI-Tools, und natürlich wird in den Gesellschaftswissenschaften über politische und ökonomische Zusammenhänge gesprochen. Alles wird jeweils altersgerecht ab der 1. Klasse in den Unterricht integriert, ist als Kapitel oder Themenseiten in den Schulbüchern enthalten und findet schließlich auch Anerkennung in einer Zeugnisnote, die aus den Notenvorschlägen der einzelnen Fachlehrkräfte für das Fach „educazione civica“ gemittelt wird. Den Schülerinnen und Schülern gefällt es gut, da die Themen oft auf ihre konkrete Lebenswirklichkeit bezogen sind und als nützlich erachtet werden. Die meisten Lehrkräfte betrachten es auch sehr positiv, allerdings mit der kritischen Anmerkung, dass die Lehrpläne für die „educazione civica“ teilweise politisch tendenziös sein können (so wurde z.B. nach Antritt der neuen Mitte-Rechts-Regierung eine Schwerpunktverschiebung in manchen Bereichen vorgenommen).
Im allgemeinen Vorwort der Curricula ist zu lesen, dass Kompetenzen auf erworbenen Kenntnissen basieren. Das erscheint mir völlig plausibel, allerdings ist mir hier gerade im Bereich der Selbst- und Mitbestimmung aufgefallen, dass den Schülerinnen und Schülern wenig zugetraut bzw. vertraut wird: So gibt es beispielsweise keine Schülervertretung (erst in den Schulen ab der 9. Klasse), alles wird von den Lehrkräften bzw. vom Verwaltungspersonal organisiert (meine Anmerkung, dass bei uns ein Schülerteam in der Bücherei mithilft, wurde zum Beispiel als tolle Idee empfunden), und vor allem stehen die Kinder unter permanenter Kontrolle – das Schulgelände ist komplett umzäunt, das Tor abgeschlossen, sie dürfen nicht allein von einem Raum zum anderen gehen und werden auch von den Lehrkräften auf den Schulhof begleitet. Auf Nachfrage wurde mir erklärt, dass die Eltern diese durchgehende Beaufsichtigung einfordern.
Bei den Lehrkräften sind die Aufgaben breit verteilt, es wird viel kommuniziert, Teamarbeit scheint gut zu funktionieren, es finden auch regelmäßig Gespräche und Konferenzen statt. Insbesondere die Planung des neuen Schuljahres ist ein Gemeinschaftsprojekt, für das in den ersten zwei Septemberwochen explizit noch unterrichtsfrei ist (für die Lehrkräfte enden die Sommerferien am 1. September). Praktisch unterstützt werden sie von mehreren nichtpädagogischen Mitarbeitern, die den gesamten Schultag an der Pforte präsent und neben Reparaturen und Reinigung auch für alles Organisatorische (Krankmeldungen, Vertretungen, Aufsichten, Kopien etc.) zuständig sind.
Viele weitere Anregungen habe ich aus Gesprächen über Arbeitsbedingungen, Lehrkräfteausbildung, Zusammenarbeit mit Institutionen (Bologna bietet als älteste Universitätsstadt der Welt zahlreiche außerschulische Bildungsangebote vom archäologischen Museum bis zu modernen Kreativwerkstätten) und vieles mehr gewonnen und kann das Job Shadowing somit als eine wirklich bereichernde Erfahrung bezeichnen. Zuguterletzt weiß ich nun sogar, was bei einem Erdbeben zu tun ist, denn es gab einen Probealarm: Beim ersten Alarmzeichen krabbeln alle unter die Tische (!), beim zweiten wird das Gebäude evakuiert. (Hg)
Als ich durch die Kursliste der Erasmus-Programms schaute und den Kurs „Transform your Class into a Game to Increase Students Engagement“ vom 18.05. bis 22.05.2026 in Málaga sah, wusste ich, dass ich an diesem Kurs teilnehmen musste. Ich nutzte bereits sehr gerne kreative und spielerische Methoden in meinem Unterricht. Ich versprach mir dementsprechend, diese Neigung mit weiteren Methoden und didaktischen Grundlagen zu ergänzen und in meinen Unterricht zu integrieren.
Zu Beginn beschäftigten wir uns mit den Unterschieden zwischen klassischen Unterrichtsmethoden, Spielen und gamifizierten Lernformen. Dabei lernten wir, wie spielerische Elemente wie Narrative, Herausforderungen, Zeitlimits, Levels oder Ranglisten sinnvoll in den Unterricht integriert werden können, um die Motivation der Schülerinnen und Schüler zu steigern. Mit diesen Tools entwickelten wir eigene Unterrichtskonzepte, die ich nach meiner Rückkehr sofort in meinen Unterricht integrierte. Statt der Erarbeitung eines Arbeitsplans mit Pflicht- und Extraaufgaben, schloss meine Deutschklasse auf einer Satzglied-Expedition Haupt- und Nebenquests ab, mit denen sie Schätze und Abzeichen sammeln können.
Außerdem lernten wir verschiedene digitale Werkzeuge kennen, die sowohl den Unterricht als auch das Klassenmanagement unterstützen können. So kann eine Klasse in das Programm „Teachquest“ integriert werden, in dem die Lernenden alleine oder in Teams durch positives Verhalten im Unterricht Erfahrungspunkte sammeln, im Level aufsteigen und besondere Fähigkeiten nutzen können. Das System überzeugte mich von allen vorgestellten am meisten und ich überlege, das Programm für die fünfte Klasse zu nutzen, welche ich nächstes Schuljahr leiten werde.
Neben den fachlichen Inhalten bot der Kurs auch die Möglichkeit ein anderes europäisches Land kennenzulernen und sich mit Lehrenden aus anderen Kulturen auszutauschen. So nahmen neben mir als deutsche Lehrkraft auch eine weitere Lehrkraft aus Frankreich, drei Bibliothekarinnen aus Italien und eine Wissenschaftlerin aus Portugal teil. Während ich das erlangte Wissen und die gesammelte Erfahrung als sehr bereichernd empfinde, hätte ich mir die Teilnahme von mehr Lehrkräften gewünscht, um einen noch größeren fachlichen und methodischen Austausch zu haben. – Kd