In den Sommerferien konnte ich im Rahmen des Erasmus-Programms unserer Schule an einer exklusiven Fortbildung an einem spektakulären Ort teilnehmen: „Madeira Outdoor – Inclusion, Emotional Intelligence, Team-Building, Wellbeing and Outdoor Learning“ lautete der etwas sperrige Titel des EU-finanzierten Kurses.
Die Idee dahinter: zwanzig europäische Lehrkräfte aus verschiedenen Ländern erarbeiten in Teams gemeinsam theoretisches Wissen zu den genannten Aspekten und sind dann umso motivierter, dieses Wissen an verschiedenen Orten der wunderschönen Atlantik-Insel auch praktisch auszuprobieren. Ein Schwerpunkt der inhaltlichen Arbeit bestand zum Beispiel darin, sich didaktische Strategien zu überlegen, wie ein außerschulischer Lern-Ort ganzheitlich mit allen Sinnen für Schülerinnen und Schüler erfahrbar ist.
Und eindrucksvolle Lern-Orte hat die Vulkan-Insel mit ihrem ewigen Frühlingswetter reichlich zu bieten: Schroffe Steilküsten, üppig wuchernde tropische Natur, hohe Berge, nebelige Lorbeer-Urwälder, schwarze Lava-Strände und mit der Hauptstadt Funchal großstädtisches Flair aus der portugiesischen Kolonialzeit.
Einer der Höhepunkte war eine Whale-Watching-Tour vor der Küste der Insel. Und tatsächlich: eine ganze Schule von Delphinen schwamm mehrmals an dem Katamaran vorbei. Für das „Wellbeeing“ sorgten regelmäßige Yoga-Trainingseinheiten an Stränden, in Bananen-Plantagen und im Stadtpark.
Dass die Insel spektakulär schön ist, ist vermutlich auch ihr größter Nachteil – sie ist ein Paradebeispiel für „overtourism“. Egal, wo man auf der Insel ist: Hunderte von Touristen mit ihren Mietwagen sind schon da und jagen mit ihrem Handy dem nächsten Insta-Foto hinterher. Kurios: wer wandern will (und das wollen auf Madeira fast alle), muss zunächst pro Wanderweg 4,50 Euro per Wander-App bezahlen. Melden sich zu viele gleichzeitig an, bekommt man keinen Platz mehr auf den Wander-Autobahnen. Wer nicht bezahlt, gilt als „Schwarzwanderer“ und muss ein Bußgeld bezahlen!
– Christian Uwe Jansen

