Projektjahr 2024/25
Es folgen die aktuellen Erfahrungsberichte mit den Eindrücken der Teilnehmenden an Erasmus+ Mobilitäten. Diese Mobilitäten sind die Maßnahmen, mit denen das Sophie-Scholl-Gymnasium versucht, die Ziele zu verwirklichen, welche sie sich im Erasmus+ Plan gesetzt hat.
-
Job Shadowing am Istituto Comprensivo 21, Bologna, Italien

„You can count on me, like one, two, three, I’ll be there…“ – das kenne ich doch, was der Chor da singt! Vieles ist ähnlich, manches aber auch ganz anders als an unserer Schule, das konnte ich bei meinem Besuch am IC21 in Bologna vom 25. bis 29.5.2026 feststellen. Hier durfte ich im Rahmen des Erasmus-Programms vier Tage an der Mittelschule und einen Tag an der angeschlossenen Grundschule hospitieren. In Italien geht die Grundschule bis zur 5. Klasse, anschließend besuchen alle Kinder gemeinsam die Mittelschule von der 6. bis zur 8. Klasse. Erst danach wählen sie eine weiterführende Schule, in der nach Leistung und Neigung differenziert wird (z.B. klassisches, neusprachliches oder technisches Gymnasium, Fachoberschule oder Berufsschule).

Meine Beobachtungsschwerpunkte lagen in den Bereichen der Erziehung zu Demokratie und Nachhaltigkeit, Integration und Differenzierung sowie Unterrichtsmethoden. Während meines Aufenthaltes habe ich am Unterricht in verschiedenen Klassen und Fächern teilnehmen dürfen und viele Gespräche mit Schulleitung und Lehrkräften sowie ein paar Schülerinnen und Schülern geführt. Außerdem gab es in der Woche ein Abschlusskonzert der 8. Klassen, in dem gesungen und getanzt wurde, sowie ein weiteres Konzert der Musikklassen. Die Schule hat einen Musikzweig, für den die Kinder sich bewerben können. Sie erhalten dann zweimal die Woche nachmittags kostenlosen Instrumentalunterricht (einmal einzeln, einmal in der Gruppe) in Klavier, Klarinette oder Querflöte. Der Instrumentalunterricht gilt als zusätzliches Schulfach, es gibt Prüfungen und Noten. Trotz der großen Hitze (die ganze Woche herrschten Temperaturen über 30 Grad!) musizierten alle sehr engagiert und zeigten teilweise außergewöhnliche Fähigkeiten auf ihrem Instrument für eine so kurze Unterrichtszeit.
Das Engagement der Schülerinnen und Schüler im Unterricht variierte stark, was sicher auch am „Sauna-Feeling“ in den Klassenräumen lag. Hitzefrei gibt es nicht, der Unterricht geht jeden Tag bis 14 Uhr. Immerhin endet der reguläre Schulunterricht für die Kinder am 6. Juni (anschließend finden nur noch Prüfungen statt) und beginnt erst am 15. September wieder. Übrigens bekommen sie Übungshefte für die Sommerferien, damit sie in der langen Zeit nicht alles vergessen! In vielen Klassen gibt es Kinder mit Förderbedarf, deshalb sind meistens ein oder zwei Unterstützungslehrkräfte mit im Unterricht. Das ist eine sehr gute Möglichkeit, um die Kinder individueller fördern zu können, aber auch in Italien wurden natürlich die Einsparungsmöglichkeiten erkannt, weshalb um jede Lehrerstunde gekämpft wird. Gerade dadurch, dass die Unterstützungslehrkräfte sich um vieles „nebenbei“ kümmern, kann der Unterricht ansonsten störungsfrei verlaufen. Auch die Integration der Kinder mit besonderen Bedürfnissen gelingt so gut, da sich jemand speziell um sie kümmert und sie bei Bedarf auch Auszeiten außerhalb des Klassenraums nehmen können, sonst aber immer, wenn es geht, im Klassenverband dabei sind. Der Umgang der anderen Schülerinnen und Schüler mit den I-Kindern ist sehr herzlich, sie werden ermutigt und gelobt, wenn sie etwas geschafft haben, und auch mal in den Arm genommen, wenn ihnen etwas zu viel wird. Auf der anderen Seite wurde eingeräumt, dass eine Förderung besonders begabter Kinder im normalen Unterricht kaum möglich ist; dies wird eher in den Nachmittagsprojekten ermöglicht, die neben den Musikkursen zum Beispiel aus Angeboten in den Bereichen Technik, Kunst und Kultur oder Sport bestehen.


Alle Klassenräume sind mit Smartboards ausgestattet, außerdem gibt es z.B. einen Computerraum und eine große Schülerbibliothek. Auch die Klassengrößen ähneln mit um die 25 Personen denen bei uns. Im Unterricht selbst wurde besonders in den 8. Klassen auf die Abschlussprüfungen hingearbeitet, die am Ende der 8. Klasse von allen abgelegt werden müssen. Neben Wiederholungsstunden wurden (wie auch in anderen Klassenstufen) Präsentationen gehalten, die die Schülerinnen und Schüler in Gruppen oder Zweierteams erarbeitet hatten. Zwei Teams einer 7. Klasse hatten extra für mich ein paar deutsche Sätze in ihre Geo-Präsentationen eingefügt, obwohl es in der Schule ansonsten keinen Deutschunterricht gibt (zweite Fremdsprache ist Französisch oder Spanisch)! An der Grundschule habe ich eine tolle Geschichtsstunde gesehen, in der die Kinder einer 4. Klasse mit Begeisterung kleine Rollenspiele zu Mythen der frühen Hochkulturen aufgeführt haben. Es gefällt mir als Geschichtslehrerin sehr gut, dass das Fach Geschichte bereits ab der 3. Klasse unterrichtet wird, sodass alle bis zum Abschluss der 8. Klasse Grundkenntnisse über den gesamten Zeitraum von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Gegenwart erwerben können (und nicht erst wie bei uns bis zur 10. Klasse). Ab der 9. Klasse erfolgt dann noch einmal ein vertiefender chronologischer Durchgang.

Zu den Themen Demokratie und Nachhaltigkeit konnte ich viele interessante Eindrücke mitnehmen. In Italien gibt es seit einigen Jahren landesweit verpflichtend nicht nur Stunden zur Berufsorientierung und Digitalkompetenz, sondern es sind auch pro Schuljahr mindestens 30 Schulstunden „educazione civica“ vorgesehen, was man etwa mit „gesellschaftliche Bildung“ übersetzen könnte. Und diese ist nicht nur in Fächern wie Geschichte oder Geografie angesiedelt, sondern auf alle Schulfächer verteilt. Für jedes Schuljahr gibt es ein konkretes Curriculum, das die Schulen dann selbst an die Fächer anbinden. So übernimmt beispielsweise Mathematik Informationen über Verwaltungsabläufe oder das Erkennen von Falschinformationen, die Naturwissenschaften behandeln Themen im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit sowie Umgang mit Statistiken, Sport umfasst auch Gesundheit und Ernährung, in den Sprachen werden Kommunikation und interkulturelle Bildung gefördert, Kunst und Musik thematisieren das kulturelle Erbe, aber auch den Einsatz von KI-Tools, und natürlich wird in den Gesellschaftswissenschaften über politische und ökonomische Zusammenhänge gesprochen. Alles wird jeweils altersgerecht ab der 1. Klasse in den Unterricht integriert, ist als Kapitel oder Themenseiten in den Schulbüchern enthalten und findet schließlich auch Anerkennung in einer Zeugnisnote, die aus den Notenvorschlägen der einzelnen Fachlehrkräfte für das Fach „educazione civica“ gemittelt wird. Den Schülerinnen und Schülern gefällt es gut, da die Themen oft auf ihre konkrete Lebenswirklichkeit bezogen sind und als nützlich erachtet werden. Die meisten Lehrkräfte betrachten es auch sehr positiv, allerdings mit der kritischen Anmerkung, dass die Lehrpläne für die „educazione civica“ teilweise politisch tendenziös sein können (so wurde z.B. nach Antritt der neuen Mitte-Rechts-Regierung eine Schwerpunktverschiebung in manchen Bereichen vorgenommen).
Im allgemeinen Vorwort der Curricula ist zu lesen, dass Kompetenzen auf erworbenen Kenntnissen basieren. Das erscheint mir völlig plausibel, allerdings ist mir hier gerade im Bereich der Selbst- und Mitbestimmung aufgefallen, dass den Schülerinnen und Schülern wenig zugetraut bzw. vertraut wird: So gibt es beispielsweise keine Schülervertretung (erst in den Schulen ab der 9. Klasse), alles wird von den Lehrkräften bzw. vom Verwaltungspersonal organisiert (meine Anmerkung, dass bei uns ein Schülerteam in der Bücherei mithilft, wurde zum Beispiel als tolle Idee empfunden), und vor allem stehen die Kinder unter permanenter Kontrolle – das Schulgelände ist komplett umzäunt, das Tor abgeschlossen, sie dürfen nicht allein von einem Raum zum anderen gehen und werden auch von den Lehrkräften auf den Schulhof begleitet. Auf Nachfrage wurde mir erklärt, dass die Eltern diese durchgehende Beaufsichtigung einfordern.
Bei den Lehrkräften sind die Aufgaben breit verteilt, es wird viel kommuniziert, Teamarbeit scheint gut zu funktionieren, es finden auch regelmäßig Gespräche und Konferenzen statt. Insbesondere die Planung des neuen Schuljahres ist ein Gemeinschaftsprojekt, für das in den ersten zwei Septemberwochen explizit noch unterrichtsfrei ist (für die Lehrkräfte enden die Sommerferien am 1. September). Praktisch unterstützt werden sie von mehreren nichtpädagogischen Mitarbeitern, die den gesamten Schultag an der Pforte präsent und neben Reparaturen und Reinigung auch für alles Organisatorische (Krankmeldungen, Vertretungen, Aufsichten, Kopien etc.) zuständig sind.
Viele weitere Anregungen habe ich aus Gesprächen über Arbeitsbedingungen, Lehrkräfteausbildung, Zusammenarbeit mit Institutionen (Bologna bietet als älteste Universitätsstadt der Welt zahlreiche außerschulische Bildungsangebote vom archäologischen Museum bis zu modernen Kreativwerkstätten) und vieles mehr gewonnen und kann das Job Shadowing somit als eine wirklich bereichernde Erfahrung bezeichnen. Zuguterletzt weiß ich nun sogar, was bei einem Erdbeben zu tun ist, denn es gab einen Probealarm: Beim ersten Alarmzeichen krabbeln alle unter die Tische (!), beim zweiten wird das Gebäude evakuiert. (Hg)

-
Zu Besuch bei Freunden. Erasmus+ Gruppenmobilität nach Bologna, Italien

Vom 17. bis 23. Februar besuchten 22 Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen im Rahmen des Erasmus+ Projekts der Schule zwei Partnerschulen in Bologna, Italien. Dabei war noch wenige Tage vor Fahrtantritt gar nicht klar, ob wirklich alle Schülerinnen und Schüler fit genug sein würden, um die mehrstündige Zugreise antreten zu können.
Auch wenn somit einige Teilnehmer gesundheitlich (noch oder wieder) angeschlagen waren, war der Gegenbesuch in Bologna nach dem gelungenen Auftakttreffen im November/Dezember 2025 in Itzehoe erneut ein voller Erfolg. Die Teilnehmer absolvierten ein abwechslungsreiches Lernprogramm, welches aus Workshops, Hospitationen und dem Besuch archäologischer Stätten bestand.
Dabei erfuhren die Schülerinnen und Schüler viel über das Leben und Lernen in Italien. Sie erweiterten ihre Italienisch-Kenntnisse in einem Sprach-Workshop, erhielten während des Besuchs byzantinischer Kirchen in Ravenna einen Eindruck davon, wie das römische Erbe der Antike das kulturelle und religiöse Leben in Europa noch heute prägt oder erlebten, wie technische Erfindungen über die letzten 200 Jahre hinweg das Arbeiten und Leben in Bologna stetig veränderten.
Weitere Highlights waren ein Pasta-Workshop, in dem die Teilnehmenden in die Geheimnisse der Herstellung typisch Bologneser Tortellini eingeweiht wurden. Sie erstellten während eines Biologie-Workshop eine Gen-Probe einer Banane (!) oder studierten während einer gemeinsamen Musikstunde das Stück „Ode an die Freude“ ein.
Die aufnehmenden Partnerschulen und die Gastfamilien gaben sich erneut sehr viel Mühe, ihr Land und ihre Stadt von der besten Seite zu zeigen und den deutschen Teilnehmenden ein Fahrtenprogramm zu bieten, das sie nicht so leicht vergessen würden.
So standen insgesamt neben der Erweiterung der Fremdsprachenkenntnisse und des kulturellen Wissens auch die Themen Umwelterziehung und Erziehung zur Nachhaltigkeit sowie die Beschäftigung mit dem kulturellen Erbe der Antike im Mittelpunkt des Projektprogramms.
Wir danken den Organisatoren und den aufnehmenden Familien für ihr großes Engagement und ihr herzliche und fürsorgliche Aufnahme.
-
Zu Gast bei Freunden – Erasmus+ Projekttreffen am Sophie-Scholl-Gymnasium

Vom 27.11. bis 03.12.2025 erlebte die Schulgemeinschaft des Sophie-Scholl-Gymnasiums den Besuch von 25 Schülerinnen und Schülern unserer zwei Partnerschulen in Bologna, Italien. Die jungen Gäste wurden dabei von fünf Lehrkräften begleitet.
Es handelte sich hier um die erste persönliche Begegnung der jungen Projektteilnehmenden – den Schülerinnen und Schüler der 8a und ihrer italienischen Austauschpartner. Aber während des abwechlungsreichen Programms fanden sie schnell Gelegenheit einander besser kennenzulernen.
Unsere Gäste konnten im Verlauf ihres Besuchs nicht nur typisch norddeutsche Weihnachtsatmosphäre schnuppern: So erlebten sie den Weihnachtsbasar unserer Schule am 28.11. oder erkundeten das vorweihnachtliche Lebensgefühl während ihrer Stadtrundgänge durch Itzehoe und Hamburg. Auch inhaltlich hatte das Besucherprogramm einiges Spannende zu bieten: Gemeinsam mit ihren deutschen Partnern erlebten unsere Gäste typischen Unterricht an unserer Schule. Im Rahmen von Workshop vermittelten die Teilnehmenden einander neues Wissen im Deutschen und Italienischen. Sie diskutierten über europäische Werte und Demokratie oder erklärten einander, wie man StopMotion Filme herstellt und das alles auf Englisch!
Ein Highlight für alle Teilnehmenden waren dabei vielleicht die gemeinsame Hafenrundfahrt in Hamburg, der Besuch des Miniaturwunderlands oder der Workshop zu beliebten Kinderspielen.
So konnten die jungen Gäste zwischen Weihnachtsstollen, Tannenzweigen und Lichterketten sehr viel Neues über das Leben und Lernen in Itzehoe und Umgebung erfahren. Die Mühen der vielen beteiligten Lehrkräfte aus Deutschland und Italien zahlten sich also voll aus. Aber nicht zuletzt aufgrund des herzliches Empfangs und der tollen Zeit in den Gastfamilien traten viele von unseren jungen Besuchern schweren Herzens und mit feuchten Augen am Morgen des 02.12.2025 die Zugreise nach Bologna an. Der Gegenbesuch folgt dann Ende Februar 2026. Kg
Zwei Teilnehmer haben ihre Erfahrungen in einem kurzen Bericht auf Englisch niedergeschrieben. Wir haben sie durch KI einsprechen lassen:
Bericht 1
Bericht 2
-
Erasmus+ Lehrerfortbildung in der „Ewigen Stadt“

Artificial Intelligence for Education: Exploring the Frontiers of ICT. Eine Woche in der “Ewigen Stadt”
Anfang November machte sich eine recht bunte Truppe auf den Weg, um im Rahmen einer Erasmus+-Fortbildung in Rom die neuesten Entwicklungen und Grenzen künstlicher Intelligenz im Bildungsbereich zu erforschen. Zur internationalen Gruppe gehörten eine Universitätsprofessorin aus Slowenien, zwei Berufsschullehrerinnen aus Österreich, ein Lehrer an einer Sprachschule für Erwachsene aus Spanien, ein Grundschullehrer aus Ungarn eine Gemeinschaftsschullehrerin aus Belgien und eben ich.
Nach einer Kennenlernrunde und der Vorstellung der Schulen der TeilnehmerInnen am ersten Tag startete der Dozent am Dienstag mit einer kurzen Definition des Begriffs KI und gab einen ausführlichen historischen Überblick über dessen Entwicklungsgeschichte. Besonders interessant fand ich in diesem Zusammenhang, dass der Begriff „künstliche Intelligenz“ bereits in den 1950er Jahren benutzt wurde, also keineswegs, wie ich immer gedacht hatte, ein relativ junges Forschungsfeld sei. Der Dozent erläuterte außerdem recht anschaulich, warum in dem Forschungsfeld KI insbesondere in den letzten fünf Jahren Quantensprünge gemacht worden sind und warum diese viele Menschen verunsichern. Er schloss den interessanten Theorieteil mit einem Fazit, welches sich die nächsten Tage wie ein roter Faden durch die Inhalte der Fortbildung ziehen sollte: Künstliche Intelligenz kann und wird das menschliche Denken nicht ersetzen, es kann aber ein sehr, sehr nützliches Werkzeug sein, wenn man denn weiß, wie man damit umzugehen hat.
Nachdem nun die theoretische Grundlage gelegt worden war, beschäftigten wir uns am Mittwoch zunächst mit Studien zum Thema „AI in Education“. Diese Studien unterstrichen, dass ein immer größer werdender Anteil der älteren Schülerinnen und Schüler in der EU generative KI für schulische Zwecke fast täglich – allerdings häufig sehr unkritisch – nutzt. Um die Kompetenz im Umgang mit KI zu schulen, lernten wir anschließend Wege kennen, wie man KI im Unterricht und in der Schule effektiv nutzen kann, wie man die SchülerInnen und Schüler über die Funktionsweise von LLM (Large Language Models) wie z.B. ChatGPT informiert und wie man ihnen einen sinnvollen Umgang damit beibringen kann.
Am Donnerstag und Freitag tauschten wir uns über die ethischen Bedenken, Probleme und Risiken bei der Nutzung von künstlichen Intelligenzen im Bildungsbereich aus. Natürlich sahen wir aus LehrerInnenperspektive vor allem die Möglichkeit des „Schummels“, also KI-generierte Inhalte als seine eigenen auszugeben, als ein immer stärker werdendes Problem an, für das bereits unterschiedliche Lösungswege erprobt werden. So berichtete der spanische Kollege davon, dass die Schülerinnen und Schüler an seiner Schule den Testraum erst bei einer Klausurlänge von über 90 Minuten für einen Toilettengang verlassen dürfen; die slowenische Professorin berichtete darüber, dass an ihrer Universität gerade erst zwei Vollzeitstellen geschaffen worden seien, um Hausarbeiten auf unerlaubte und exzessive KI-Nutzung zu prüfen.
Für mich persönlich nehme ich aus dieser Woche sehr viele wertvolle Anregungen für meinen Unterricht mit. Ich bin insbesondere gespannt, wie sich die vorgestellten Tools tatsächlich im Unterrichtsalltag einsetzen lassen. Sk
-
Erasmus+ Lehrerfortbildung in Rom, Italien

Über welche Kompetenzen sollten Lehrkräfte und Lernende im 21. Jahrhundert verfügen? Dies war die Frage, welche die 11 Lehrkräfte aus 7 europäischen Ländern eine Woche in Rom während einer einwöchigen Lehrerfortbildung beschäftigte. Zu welchen Erkenntnissen die Kursteilnehmer gelangten, soll der kurze Erlebnisbericht vermitteln.
Am Montag, den 18.11.2025, traf sich die bunte Truppe aus Grundschul- und Gymnasiallehrkräften erstmal im Mini-Klassenraum in der Via de la Coronata in Rom. Die Teilnehmer lernten sich schnell besser kennen. Dabei halfen die kurzen Präsentationen, welche wir vorbereitet hatten und in denen sie ihre Schulen und Bildungssystem vorstellten.

An den folgenden Tagen erlebten wir einen Unterricht, bei dem sich jeweils Phasen des Inputs und der praktischen Tätigkeit abwechselten. Die Leiterin Chrissy verstand es, ihre Vorträge durch praktische Beispiele und kleine Spiele aufzulockern. Die Stimmung der Kursteilnehmer war dadurch stets gut und wir waren immer wieder überrascht, wenn sich der Schultag gegen 13.30 Uhr dem Ende näherte.
Die erste Übung an Tag 2 veranschaulichte schnell, dass die Kursteilnehmer aus Polen, Slowenien, Kroatien, Frankreich, Belgien, Deutschland und der Türkei in etwa ähnliche Vorstellung davon hatten, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten Schüler im 21. Jahrhundert benötigten. In der Forschung werden dabei immer wieder vier Begriffe genannt: Kommunikation, Kollaboration (Zusammenarbeit), Kreativität und kritisches Denken. Um diese vier Problemfelder sowie um Methoden und digitale Tools, mit denen diese Kompetenzen trainiert werden können, drehte sich dann die verbleibende Zeit.

Die Kursdauer von fünf Tagen musste am Ende viel zu kurz sein, um diese vier Kompetenzbereiche ausführlich thematisieren zu können. Einige Kursteilnehmer waren deshalb im Rückblick auch etwas enttäuscht von der Menge an vermitteltem Wissen. Ich kann nicht sagen, ob ich mich diesem Urteil anschließen würde: In meinen Augen behandelte die Kursleiterin das 4K-Modell eher exemplarisch und suchte gezielt nach Möglichkeiten, die Interaktion der Teilnehmer anzuregen. So legte sie in der Behandlung des Themas der digitalen Kompetenz (Digital, Media and Data Literacy) beispielsweise die Schwerpunkte auf die lebensweltliche Relevanz des Themas und die praktische Zusammenarbeit der Teilnehmer in einer vertiefenden Übung.
Die Meinungen zur fachlichen Vermittlung gingen somit am Ende etwas auseinander. „Europäische Einigkeit“ bestand aber darin, dass aus einzelnen Teilnehmenden am Ende ein Team geworden war, welches vertrauensvoll und produktiv zusammenarbeiten konnte. Wir hatten einen Kurs erlebt, der sich durch methodische Vielfalt, hohe Aktivierung der Lernenden sowie überraschende Übungen und Spiele auszeichnete. Er weckte bei allen Teilnehmern ein neues Interesse daran, gemeinsam mit- und voneinander im europäischen Haus zu lernen. Kg
-
Spanische Schülergruppe am Sophie-Scholl-Gymnasium

Einen gelungenen Auftakt erlebte das Schüleraustauschprojekt der Lateiner der 8b mit Schülerinnen und Schülern der spanischen Schule IES Venancio Blanco aus Salamanca. Vom 21.09. bis 27.09. konnten wir 14 Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 16 sowie ihre zwei begleitenden Lehrkräfte für ihren ersten Austauschbesuch an unserer Schule begrüßen.
Das Besucherprogramm bestand dabei aus vielfältigen Aktivitäten: Einem Spanisch-Deutsch Crashkurs, zwei ganztätigen Ausflügen nach Hamburg und Westerland, sowie Workshop zu den Themen Vorbilder, Europa und dem UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer.
Das gemeinsame Lernen in Workshops, auf einer Führung zum Geschichtenberg in Itzehoe oder während einer gemeinsamen Sportstunde brachte die Teilnehmenden schnell einander näher, sodass der Abschied am frühen Samstagnachmittag allen sichtlich schwer viel.
Aber kein Grund zur Trauer: Die Schülerinnen und Schüler aus Spanien und Deutschland werden bis zum Wiedersehen Ende Februar 2026 weiterhin in Kontakt bleiben. Sie werden auf der eTwinning-Seite weiter an Projektaktivitäten arbeiten und so auch in den kommenden Monaten mit und voneinander lernen können. Die Zeit wird also wie im Fluge vergehen.
-
Mit Erasmus im Land der Geysire und Vulkane

Erlebnisbericht von einem Erasmus-Kurs in Island
Eigentlich war ich gar nicht so motiviert, am Erasmus-Programm teilzunehmen. Als ich dann aber über den Themenkomplex „Positive Psychologie in der Schule“ stolperte und noch auf den Kursort Reykjavik stieß, war es um mich geschehen: Das wollte ich machen! Dort wollte ich hin!
Und schon war ich gezwungen, über mich hinaus zu wachsen: alleine fliegen, bei Nacht in einer fremden Hauptstadt das gebuchte Hotel finden (oh je!), gar keinen kennen und so auf andere zugehen müssen, und das alles mit meinem eingerosteten Englisch.
Da ich mich durch meine exzellente Ausbildung im Schulfach „Glück“ in vielerlei Hinsicht kompetent fühle, was die Positive Psychologie anbelangt, wählte ich innerhalb dieses Themenkomplexes ein Kursangebot, was mich von jeher lockt, in dem ich aber noch nicht so bewandert bin: „Achtsamkeit und Meditation“. Auf Englisch klingt es noch anziehender: „Mindfulness and Meditation“. Wow! Ich war gespannt auf den neuen theoretischen Input, auf neue Techniken und Übungen. Auch hoffte ich, persönlich davon zu profitieren und meine neuen Erfahrungen in die Schule bzw. den Unterricht integrieren zu können. Der letzte Aspekt ist wohl der schwierigste, da das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Achtsamkeitsübungen, und dies noch in der Schule, vielen Schülern und Lehrern noch völlig abwegig erscheint.

Nun bin ich ganz erfüllt aus Island zurückgekehrt (der Sprung ins kalte Wasser hat sich also gelohnt) und habe bewusst einige Erkenntnisse und Beobachtungen aus Reykjavik mit nach Hause gebracht. In Bezug auf den Aspekt „Achtsamkeit“ zwei ganz banale Weisheiten: Erstens: Ich bin die wichtigste Person in meinem Leben, du/ Sie übrigens die wichtigste in deinem/ Ihrem Leben. Dies impliziert keinen Egoismus, keine Ellenbogen anderen gegenüber, sondern vor allem, auf sich zu achten, auf sich selbst aufzupassen, und zwar sowohl auf seine körperliche als auch mentale Gesundheit. Zweitens: So wie wir auf unseren Körper achten, sollten wir auch unsere mentale Seite pflegen, stärken und trainieren. Da wir dies gern mal aus den Augen verlieren, ist es wichtig, dafür immer wieder ein Bewusstsein zu schaffen. In meinem Erasmus-Kurs konzentrierten wir uns dabei auf Geh-, Hör- und Beobachtungsmeditationen, Atemübungen und auf verschiedene Yogaformen. Besonders von dem Gestalten eines Mandalas aus Naturmaterialien und Phasen absoluter Stille war ich angetan. Das Stuhlyoga war für mich der Knaller! Alles Genannte haben wir in vielfältigen Übungen ausprobiert, mit Begeisterung und dem Gefühl der Entschleunigung. In die Schule, in den Unterricht kann man das alles in kurzen Phasen integrieren mit dem großen Effekt, wieder mehr Aufnahmekapazitäten und eine positive Bereitschaft für das Lernen zu reaktivieren. Wichtig ist dabei eine überzeugte Lehrerpersönlichkeit, die Achtsamkeit mit Begeisterung vorlebt, Zusammenhänge erklärt und auf die Ausführung – scheinbar unnützer Übungen – auch mal mit Strenge besteht, sodass Phasen der Achtsamkeit zu geschätzter, vielleicht liebgewonnener Praxis werden. Unsere isländischen Lehrerinnen Kristin und Berglind waren in dieser Hinsicht leuchtende Vorbilder. Sie verdeutlichten uns darüber hinaus immer wieder, wie viel nachhaltiger ein mit Bewegung gekoppeltes Lernen ist, das so oft wie möglich auch mal draußen stattfinden sollte.
Ein weiterer Fokus der Fortbildung lag auf dem isländischen Schulsystem und dem Besuch einer Vorzeigeschule. Das isländische Schulsystem enthält aus meiner Sicht wenig, was beispielgebend für deutsche Schulen sein könnte: Man lernt bis zum Alter von 15 Jahren zusammen, bleibt nicht sitzen und es gibt keine Noten. Vielmehr hat jede Schule ihre eigenen Bewertungszeichen, was zu Uneinheitlichkeit führt und teilweise für Verwirrung sorgt. Ab 16 Jahren geht man in ein College oder eine berufsbildende Schule. Insgesamt ist das Schulsystem sehr offen und man kann auch auf einem Umweg noch sein Abitur erreichen. Zwei Aspekte des isländischen Schulsystems halte ich dennoch für hervorheben – wenn nicht sogar nachahmenswert: Für Schüler ab dem 13. Lebensjahr gibt es während der Sommerferien die sogenannte Working school. Jedem daran interessierten Jugendlichen wird ein bezahlter Ferienjob für drei bis vier Wochen in den Sommerferien garantiert. Ein paar Stunden pro Tag pflegt man dann zum Beispiel mit anderen Teenagern Außenanlagen in der Nachbarschaft, verkauft Hotdogs, arbeitet im Schwimmbad und vieles andere mehr. Dieses Angebot wird gut angenommen mit den Ergebnissen, dass die Jugendlichen in den Ferien auch etwas Sinnvolles, etwas in einer Gemeinschaft machen und dass die Städte sehr gepflegt aussehen. Nebenbei verdient man noch ein paar Kronen, was im teuren!!! Island durchaus hilfreich ist.
Außerdem gibt es die Adult Education, was ein lebenslanges Lernen ermöglicht. Alle Angebote sind dabei kostenfrei. Lediglich für benötigtes Material muss ein erwachsener Fortbildungswilliger aufkommen.
Bei der besichtigten Muster-Schule handelte es sich um die Helgafellsscóli, die im Vergleich zu den traditionellen isländischen Schulen nach einem anderen Konzept arbeitet. Schon im Eingangsbereich empfingen uns groß geschrieben die drei Werte, die die Schulgemeinschaft in einem längeren Reflexionsprozess für sich erarbeitete: Mut, Zusammenarbeit und Respekt. Jeder wird somit am Morgen beim Betreten der Schule zum Leben der gemeinsamen Schultugenden ermutigt. Von diesen ausgehend wurde eine eigene Konzeption der Schule entwickelt. Unter ihrem Dach lernen Kinder vom Kindergartenalter bis zum Alter von 15 Jahren. Die Schüler arbeiten größtenteils selbstbestimmt an Projekten, die auf realen Problemen basieren sowie unter Anwendung und Aneignung von Wissen verschiedener Fächer gelöst werden. Beispiele dafür waren in der Vergangenheit, Möglichkeiten zu finden, Plastikmüll in den Ozeanen oder Essensreste in der Cafeteria zu reduzieren. Da sie dies in Gruppen tun, werden Teamgeist, Verantwortung für eigene und gemeinsame Arbeit, gegenseitiger Respekt sowie das Lernen voneinander sehr großgeschrieben. KI darf dabei verwendet werden, denn man möchte die Schüler auf das Leben mit all seinen Veränderungen vorbereiten und keine künstliche Lernatmosphäre schaffen. Zwei bis drei Lehrer begleiten eine Klasse während des Projektes, sodass Schüler regelmäßig die Möglichkeit haben, mit einem Lehrer, der vor allem als Coach agiert, über ihr Projekt zu sprechen. Zum Teil unterstützen auch Leute von außen – Experten, Unternehmer – diese Arbeit. Um ihr Projekt herum organisieren die Schüler selbst, wann sie Unterricht in Mathe, Isländisch, Englisch und anderen Fächern in Anspruch nehmen. Dies darf, je nach Können und Vorlieben, variiert werden. Neben Rückmeldungen durch die Lehrer geben drei national einheitliche Tests eine Rückmeldung zum Leistungsstand des Einzelnen bzw. der Schuljahrgänge, und dadurch zur Effektivität des Schulkonzeptes. Mehrere Projekte der Schule wurden bereits innerhalb Islands ausgezeichnet.
Zudem gibt es so genannte „Buddy classes“. Hier treffen ältere und jüngere Schüler zu gemeinsamen Aktivitäten, wie dem Planen und Durchführen einer Weihnachtsfeier, eines Basars oder Ähnlichem zusammen.
Das gemeinsame, selbstbestimmte Lernen an Projekten bedingt ein andersartiges Raumkonzept. Besonders auffallend waren große Klassenräume, in denen zum einen im Klassenverband gearbeitet werden kann und außerdem viel Platz für individuelles Platzieren ist. Gleichermaßen gibt es in den Räumen mit Glas abgetrennte Lernzonen und jeder Schüler hat ein Fach für seine Materialien. Es gibt Sitzsäcke, um es sich bequem zu machen beim Lernen. Die Lernumgebung ist also so gestaltet, dass sie zum Lernen und guten Ergebnissen einlädt. Sie ist so schön, dass man respektvoll mit ihr umgeht. Besonders angetan bin ich von der Regelung, dass jeder Schüler und Lehrer herumliegenden Müll aufhebt. Dabei ist es egal, dass man diesen nicht selbst hingeschmissen hat. Dadurch achtet jeder Einzelne selbst mehr darauf, seinen Müll ordnungsgemäß zu entsorgen und das Schulgelände ist innen und außen sehr sauber. Das würde ich mir auch für unsere Schule wünschen. Ich glaube, dies würde viel Aufklärungsarbeit und anhaltende Anstrengung vonseiten der Lehrer implizieren, eine Arbeit, die nach einiger Zeit aber auch über die Schule hinaus Früchte tragen würde.
Zur Innenausstattung der Schulen gehören auch Kochateliers, ein Schulgarten, der sich zum Teil innen und zum anderen Teil auf einer Dachterrasse befindet, Pausenkorridore mit Sofas, Bücherregale und Spiele. In einer solchen Schule hätte ich als Kind auch gerne gelernt!

Für mich persönlich war diese Erasmus-Fortbildung einerseits eine Herausforderung. Ich musste mich mal wieder aus meiner Komfortzone herausbewegen, indem ich mich auf neue Inhalte einließ, mich in einer fremden Hauptstadt zurechtfand und auf andere zuging. Andererseits ist es eine tolle Erfahrung, ein anderes Land etwas kennenzulernen (Geysire, dampfende Erde und 38 Grad warme Lagunen habe ich wirklich gesehen bzw. erlebt) sowie sich mit vielen Lehrern aus ganz Europa auszutauschen und so die Idee eines gemeinsamen Europas wirklich zu leben. Und so kann ich euch – liebe Lehrer und Schüler – nur ermutigen, auch mal am Erasmus-Programm teilzunehmen und dabei zu wachsen. Ich jedenfalls werde es wieder tun! – Pr


















